DGFP-Kolumne

25.03.2012

Theorie trifft Praxis: Psychologie im Personalmanagement

Diana Schmitz arbeitet als Praktikantin acht Wochen lang für die DGFP-Akademie und das DGFP-Young Professional Network. Neben beruflicher Zielklarheit will die junge Psychologie-Studentin, mit dem Nebenfach Human Resource Management, in ihrem Praktikum die gelernte Theorie mit der Praxis abgleichen. Welche Motivation und fachlichen Kenntnisse sie mitbringt zeigt sie im Folgenden für uns auf.

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Psychologie betrifft jeden von uns ständig, auch wenn wir das manchmal gar nicht bewusst wahrnehmen. Ob verbale oder nonverbale Kommunikation, Verhalten in der Gruppe am Arbeitsplatz oder in der Freizeit, Persönlichkeitseigenschaften, Interessen, Motive und Bedürfnisse – überall ist Psychologie relevant. An den Universitäten ist Psychologie eines der beliebtesten Studienfächer und auch in der Gesellschaft wächst das Interesse an psychologischen Themen. Ein Bewusstsein für Psychologie ist demnach besonders wichtig.

Wissen anwenden und überprüfen
Die Vielfältigkeit der Psychologie hat nach meinem Abitur im Jahr 2010 mein besonderes Interesse geweckt. Im Moment studiere ich in Landau in der Pfalz im 4. Semester Psychologie und bin immer noch davon begeistert. Mit meinen Anwendungsfächern Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Kommunikations- und Medienpsychologie sowie der klinischen Psychologie habe ich mich entschieden, mein Studium wirtschaftspsychologisch auszurichten. Um Einblicke in einen betriebswirtschaftlichen Bereich zu erlangen, habe ich zusätzlich Human Resource Management als Nebenfach belegt.

Erfahrungen teilen und weitergeben

Die Aufgabe der Psychologie ist es, menschliches Erleben und Verhalten zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und wenn nötig auch zu verändern. In der praktischen Anwendung heißt das für Unternehmen, das Verhalten von Mitarbeitern beschreiben und erklären zu können sowie eventuell vorherzusagen und zu verändern: Wie reagiert die Mitarbeiterin/ der Mitarbeiter normalerweise? Warum reagiert sie/er in dieser Situation so? Wie wird sie/er in einer anderen Situation wahrscheinlich reagieren? Wie schätze ich sie/ihn ein? Wie kann ich das Verhalten von Mitarbeitern verändern? Wie sollte ich mit Mitarbeitern in schwierigen Situationen umgehen? Gerade für das Erklären, das Vorhersagen und das Verändern von menschlichem Verhalten ist viel Erfahrung nötig, aber nicht jeder Mensch muss alle Erfahrungen neu sammeln. Erfahrungen können z.B. durch Erfahrungsaustauschgruppen oder Seminare in der DGFP weitergeben  werden, um auch das Erreichen hoch gesteckter Ziele zu erleichtern. Nur wenn Wissen weitergegeben wird, kann es vermehrt werden. Hier freue ich mich auf weitere spannende Erfahrungen in der DGFP.

Vorurteile überwinden

Mit den Aufgaben sind aber auch die Schwierigkeiten dieses Faches verbunden. Psychologische Themen sind häufig schwer kommunizierbar. Dadurch haben viele Menschen ein falsches Verständnis von Psychologie, oder haben Hemmungen davor sich mit psychologischen Themen auseinanderzusetzen, weil sie dem Fach gegenüber Vorurteile haben. Gerade hier liegt das Problem in der praktischen Anwendung. Wenn sich Menschen vor dem Befassen mit der Psychologie scheuen, ist Weiterbildung nicht möglich. Zudem wird die Psychologie durch die steigende Popularität des Neuroreduktionismus teilweise von biologischen Themen oder sog. Bindestrichfächern (Neuro-Psychologie, Neuro-Pädagogik,…) überrollt. Die bildliche Darstellung von Gehirnarealen etc. scheint psychologischen Themen eine größere Glaubwürdigkeit und Greifbarkeit zu verschaffen. Die Gefahr und der Nutzen dieser Verbindung wird momentan kontrovers diskutiert. Eine befriedigende Auseinandersetzung mit diesem Thema ist in diesem Rahmen sicherlich nicht möglich. Für die Zukunft ist eine hervorragende Forschung, eine bessere Kommunikation der Forschungsergebnisse sowie ein interdisziplinärer Austausch wünschenswert.

Leistungsdruck und psychische Erkrankungen
Für meine Zukunft als Psychologin würde ich mir wünschen, helfen zu können, bevor es eigentlich schon zu spät ist. Ich würde gerne Vorsorge statt Nachsorge betreiben, d.h. durch Training und Fortbildung Menschen zeigen, wie Schwierigkeiten im Leben besser meistern zu sind. Hierdurch können Erkrankungen häufig vermieden werden. Der zunehmende Leistungsdruck führt in letzter Zeit zu einem Anstieg psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Burnouts, zwei psychische Erkrankungsformen, die im Moment durch zunehmendes Auftreten in den Medien zu einem größeren gesellschaftlichen Interesse, zu mehr Verständnis und Akzeptanz führen. Auch für Unternehmen wird Gesundheitsmanagement immer wichtiger, weil der psychisch bedingte Ausfall von Arbeitskräften in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist.
Lesen Sie hierzu auch unser DGFP-PraxisPapier „Mit psychisch beanspruchten Mitarbeitern umgehen“.

Vielleicht konnte ich bei dem ein oder anderen das Interesse für die Psychologie in Kombination mit HR-relevanten Themen  wecken, auch wenn es vielleicht nur eine implizite Auswirkung hat.

Es grüßt Sie

Diana Schmitz, Praktikantin DGFP-Regionalstelle Frankfurt und des DGFP-Young Professional Network


Redaktionelle Bearbeitung: Sascha Jussen, DGFP-Online-Redaktion

Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.