DGFP-News

10.05.2016

Aktuelle Studie: Mobiles Arbeiten stellt höhere Anforderungen an Beschäftigte.

Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) hat gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, der spring Messe Management und dem Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie eine Studie zum mobilen Arbeiten in Unternehmen in Auftrag gegeben. Erste Ergebnisse zeigen, dass mobiles Arbeiten die Anforderungen an Beschäftigte erhöht.

DGFP StudieMobils Arbeiten

Presseinformation.

Eine neue Studie untersucht Umfang, Rahmenbedingungen und Auswirkungen mobilen Arbeitens in Unternehmen. Erste Ergebnisse wurden gestern auf der Messe PERSONAL Süd 2016 vorgestellt. Die Befragung zeigt, dass mittlerweile über die Hälfte der Beschäftigten in den teilnehmenden Unternehmen mobil arbeitet. Dies verbessert Arbeitssituation und -qualität, stellt jedoch erhöhte Anforderungen an Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Kommunikationsfähigkeit. Wenig Aufmerksamkeit widmen die Befragten bislang der Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich physischer und psychischer Belastungen.

Frankfurt am Main / Stuttgart, 11.05.2016. Beschäftigte, die „ausschließlich oder vornehmlich an einem einzigen, stationären Arbeitsplatz“ arbeiten, sind – zumindest in den befragten Unternehmen – mittlerweile in der Minderheit (46 Prozent). Ihnen stehen insgesamt 54 Prozent Beschäftigte gegenüber, die vorwiegend oder sogar ausschließlich mobil an wechselnden Arbeitsplätzen tätig sind. Dies gehört zu den Ergebnissen der Studie „Mobiles Arbeiten“, welche die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), der spring Messe Management sowie dem Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie (bao GmbH) gestern im Rahmen der Messe PERSONAL Süd in Stuttgart vorstellte.

An der Studie nahmen im März und April 2016 insgesamt 674 Unternehmensvertreter teil, überwiegend aus dem Management, der Geschäftsführung und dem Personalressort. In den Betrieben der Befragten nutzen die Mitarbeiter für die mobile Arbeit mehrheitlich Laptops und tragbare Computer (97 Prozent), gefolgt von Smartphones (93 Prozent), Tablets (62 Prozent) und anderen mobilen Geräte wie Special Hardware (36 Prozent).

Die Arbeitssituation und ergonomischen Rahmenbedingungen verbessern sich der Befragung zufolge bei IT-gestützter, mobiler Arbeit im Vergleich zu stationärer deutlich. „Mobile Worker“ profitieren demnach von der Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit. Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) sieht hier bessere oder viel bessere Gestaltungsmöglichkeiten.

Durch die Veränderungen hin zu mobilen Arbeitsformen haben sich zudem sowohl die Arbeitszufriedenheit und -leistung, als auch die Arbeitsqualität der Beschäftigten positiv entwickelt. Besonders großen Einfluss hat mobiles Arbeiten dabei auf die Arbeitszufriedenheit (67 Prozent Zustimmung); nur 7 Prozent beobachten eine Verschlechterung. Zudem hat sich laut Angaben von mehr als der Hälfte der Befragten (55 Prozent) die Arbeitsleistung der Beschäftigten positiv entwickelt; eine Minderheit von 3 Prozent sieht eine Verschlechterung.

Die neuen Arbeitsformen stellen nach Angaben von mehr als der Hälfte der befragten Unternehmensvertreter (52 Prozent) aber auch höhere oder viel höhere Anforderungen an die Schlüsselkompetenzen der Beschäftigten. Mitarbeiter benötigen insbesondere mehr Selbstkompetenzen wie Selbstständigkeit, Flexibilität, Kreativität, Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft sowie Zuverlässigkeit – so drei Viertel (78 Prozent) der Befragten. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (58 Prozent) beobachtet, dass Arbeitnehmer auch bessere kommunikative Kompetenzen wie schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit, Diskussionsfähigkeit oder partnerorientierte Kommunikation mitbringen müssen. Jeder zweite Befragte (49 Prozent) sieht höhere oder viel höhere Anforderungen an soziale Kompetenzen wie Konflikt- und Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Durchsetzungsvermögen, Führungsqualitäten und Kundenorientierung auf die Beschäftigten zukommen.

Dabei sind nach Aussage der Befragten vor allem Führungskräfte gut für die Anforderungen IT-gestützter, mobiler Arbeitsformen gerüstet (55 Prozent Zustimmung). Fast jeder Zweite stimmt auch der Aussage zu, dass die Beschäftigten (48 Prozent) und die Organisation im Allgemeinen (45 Prozent) gut auf mobiles Arbeiten vorbereitet sind. Die Studienteilnehmer berichten jedoch auch von großen Defiziten hinsichtlich der im Arbeitsschutzgesetz geforderten Gefährdungsbeurteilung an mobilen IT-Arbeitsplätzen. Drei Viertel der Betriebe (75 Prozent) führen diese nur teilweise oder gar nicht durch.

„Digital geprägte Arbeitsformen sind weiter auf dem Vormarsch“, kommentiert  Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), die Studienergebnisse. „Zudem zeigt sich: Die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten bei mobiler Arbeit wirken sich positiv auf Arbeitszufriedenheit und -qualität aus. Voraussetzung ist, dass die Beschäftigten bestimmte Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Ausdrucksfähigkeit oder auch Konflikt- und Kritikfähigkeit mitbringen beziehungsweise sich hier verstärkt weiterbilden.“

Studienleiter Prof. Dr. Jochen Prümper, Professor für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der HTW Berlin, betont, dass die Debatte um digitale Arbeitsformen empirisch fundierter geführt werden müsse. „In den Medien werden wir von Informationen zum Thema Arbeiten 4.0 erschlagen. Die Diskussion beschränkt sich jedoch bislang vor allem auf Positionspapiere und bietet wenig empirische Forschung. Die Studie leistet einen Beitrag dazu, diese Lücke zwischen Theorie und Praxis zu schließen“, konstatiert er.

„Wir leben in einer Zeit des rasanten technologischen Wandels. Vollkommen neue Geschäftsmodelle entstehen und Prozesse werden teilweise grundsätzlich neu modelliert. Mobile Technologien spielen dabei eine große Rolle – auch im Personalmanagement“, ist sich Ralf Hocke, Geschäftsführer von spring Messe Management, sicher. „Als Messeveranstalter liefern wir den Marktteilnehmern mit der Studie wichtige Impulse für Innovationen, die Unternehmen in einer mobilen Arbeitswelt brauchen und nachfragen.“

Der Abschlussbericht zur Studie erscheint voraussichtlich Anfang Juni 2016. Weitere Informationen finden Sie unter www.dgfp.de sowie auf den Seiten der 
PERSONAL Süd (www.personal-sued.de). Für Rückfragen, Bild- oder Interviewwünsche stehen wir gern zur Verfügung.

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