DGFP-News
13.02.2012
"Alleine kommst Du zu Dir, zusammen überall hin"
In diesen Tagen ist viel von der Evolution im Arbeitsleben die
Rede. Im globalen Zeitalter heissen die neuen Herausforderungen:
Flexibilität, Vernetzung, Spezialisierung und Qualifizierung.
Neben Personalexperten beschäftigen sich auch viele Arbeitnehmer
mit der Zukunft des Arbeitsmarktes. Vor allem natürlich mit ihrer
eigenen. Denn so chancenreich ein Mehr an Flexibilität und
Qualifizierung sein mag, oft geht auch Sorge einher. Die Zahl der
unbefristeten Arbeitsverträge wird immer geringer, die fachliche
Anforderung wird immer höher. Da steigt bei manchem Beschäftigten
die Furcht, dass er nicht immer Schritt halten kann.
Wenn man die konkreten Gefahrenpotentiale betrachtet, sind diese
Ängste überwiegend substanzlos. Denn die meisten Arbeitnehmer sind
gut ausgebildet und leisten starke Arbeit. Sie brauchen sich um
ihre persönliche Zukunft keine Sorgen machen. Vor allem nicht vor
dem aktuellen Hintergrund vieler offener Stellen und dem sog.
Fachkräftemangel. Allerdings werden wir Menschen stärker von
unseren Gefühlen geprägt als durch blanke Fakten. Die emotionale
Wahrnehmung einer Tatsache wirkt sich wesentlich stärker auf unser
Verhalten aus als ihr tatsächlicher substanzieller Gehalt. In den
meisten Fällen bedeuten diese Ängste jedoch vor allem einen Mangel
an Bereitschaft zur Veränderung. Oder etwas provokativer
ausgedrückt: um Phlegma. Es ist eben leichter, alte Gewohnheiten zu
pflegen als sie aufzugeben und sich neue anzueignen.
In meiner täglichen Arbeit als Sportmental- und Motivationsexperte
begegne ich immer wieder Menschen, die sich selbst im Weg stehen.
Ob Sportler, Manager, Vertriebler, Designerin oder Student, sie
haben große Potenziale. Sie haben aber auch ein großes Problem. Sie
machen sich zu viele negative Gedanken. Sie denken vorwiegend über
das nach, was nicht ging und vergessen das, was gehen könnte. Dann
kommt es – bildhaft gesprochen - zum Problemstau auf der
Gedankenstraße der Möglichkeiten. Es entsteht die
sprichwörtliche Angst vor der eigenen Courage. Dann ist es für den
Betroffenen oft schwierig, ohne Unterstützung die notwendige
Motivation zu entwickeln. Wahrscheinlich kennen Sie das von manchem
Ihrer Mitarbeiter. Vielleicht sogar von sich selbst.
In solchen Fällen kann Input von außen wahre Wunder wirken. Ein
solcher Coach, z.B. ein Personalexperte, eine Psychologin, ein
Motivationstrainer, kann neuen Input liefern. Er kann helfen, die
Angstmauern abzubauen, die berühmten kleinen Schalterchen im Gehirn
umzulegen und Potentiale freizuschaufeln, damit die mentale Power
wieder den Platz im Kopf bekommt, die sie braucht.
Dann geht es ans konkrete Verändern. Schluss mit dem Denken. Auf
geht’s mit dem Machen. Los geht’s mit dem Umsetzen. Denn
Veränderung entsteht mit dem Tun. Nicht mit dem Darüber-Nachdenken.
Gehen muss seinen Weg jeder selbst.
Ein qualifizierter Coach kann ein sinnvoller und nachhaltiger
Begleiter sein.
In meiner praktischen Arbeit mit Leistungssportlern habe ich
bereits erstaunliche Entwicklungen erlebt, z.B. mit
Schwimm-Europameister Oliver Keller. Intensives Mentaltraining hat
für die notwendige Frische im Gehirn gesorgt, damit seine Gedanken
konstruktive Bahnen ziehen konnten. Zuerst im Kopf. Dann im
Schwimmbecken. Denn echte Könner visualisieren nicht nur, dass sie
gewinnen, sondern auch WIE sie gewinnen. So füllen sie ihren
künftigen Erfolg schon vorab mit Leben und Emotionen. Dabei spielen
sie nicht nur gelingende Aktionen durch, sondern auch potenziell
misslingende Aktionen. Ihr Coach hilft ihnen dabei, erfolgreiche
Gegenreaktionen auf mentaler Basis zu entwickeln. So können sie in
der Praxis intuitiver reagieren und werden nicht negativ
überrumpelt.
Extreme psychische Herausforderungen herrschen z.B. im Biathlon,
wenn die Sportler unter höchster körperlicher Belastung am
Schießstand ankommen. Hier, mit 5-10km Langlauf unter den Skiern,
während das Herz rast und der Kreislauf auf Hochtouren läuft, heißt
es zunächst, zur Ruhe zu kommen. Dann das Gewehr schießbereit
machen, anlegen und 5 Mal hintereinander ins Schwarze treffen. Das
Ganze natürlich möglichst schnell. Kein Sportler will Zeit
verlieren. Die prekärsten Augenblicke sind hier nicht die
gelungenen Treffer. Auf der Welle des Erfolgs schießt es sich
relativ einfach. Es sind die Momente, wenn ein Schuss vorbei geht.
Augenblicke, die oft über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Echte Meister ihres Fachs, die über Jahre oder gar Jahrzehnte
erfolgreich sind, zeigen sich weniger im Glanz ihrer Siege. Sie
beweisen sich vielmehr im Willen und in ihrer Fähigkeit, aus
Niederlagen neue Kräfte zu schöpfen. Ein guter Coach ist nicht nur
fachlich sinnvoll. Er ist auch auf zwischenmenschlicher Basis ein
effektiver Referenzgeber. Denn er kennt seine Schützlinge samt
ihren Stärken und Schwächen. Damit kann er die entsprechenden
mentalen Stellschrauben auf dem Weg zum Ziel justieren, so dass
bereits im Kopf gewonnen wird.
Übrigens ist kein Ziel zu weit, wenn es konkret definiert ist. Mit
der richtigen Mentalarbeit kommt man überall hin. Denn wer nicht
weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern, wenn er woanders
ankommt.
Dirk Schmidt
Sein neuestes Buch Motivation - 88 Strategien, Impulse und Tipps für hohe Selbstmotivation ist Ende 2011 im Gabler-Verlag erschienen.
Leseprobe und weitere Infos auf seiner Homepage www.dirkschmidt.com.
Weitere Informationen im Thema des Monats Februar "Coaching als HR-Instrument"
Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.

