DGFP-News

16.10.2010

"Daten und Programme in einen verständlichen Zusammenhang bringen" - Interview mit Volker Nürnberg, Personalleiter Salutas Pharma GmbH

Ein Blick in die Personaletagen der Unternehmen zeigt: Das Personalcontrolling hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung für Personalmanagement und unternehmerische Entscheidungen gewonnen. Ein Beispiel für eine Organisation, in der Personalcontrolling als unverzichtbares Instrument der Personalführung eingesetzt wird, ist das DGFP-Mitgliedsunternehmen Salutas Pharma GmbH. Personalleiter Volker Nürnberg schildert im Interview, wie das Personalcontrolling des Unternehmens funktioniert und einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit leistet.

DGFP Online-Redaktion: Wie sind Sie persönlich zum Personalcontrolling gekommen?

Volker Nürnberg: Als Assistent des Personalvorstandes habe ich in der deutschen Coca-Cola Zentrale in Berlin alle Herausforderungen und Themen des Personalmanagements aus strategischer Sicht einschließlich der operativen Unterstützung der HR-Stabsbereiche kennen gelernt. Irgendwann ergab sich als Konsequenz dieser Aufgabe der Auftrag, bei Coca-Cola den Bereich Personalcontrolling aufzubauen.

DGFP Online-Redaktion: Was muss ein guter Personalcontroller aus Ihrer Sicht wissen und können?

Volker Nürnberg: Gute Personalcontroller sind schwer zu finden. Neben "people-skills", besonders guter Kommunikation, Konfliktfähigkeit und Überzeugungskraft kommen die notwendigen Kenntnisse der Personalprozesse, der Finanzprozesse und  IT-Werkzeuge, sowie ein Interesse an den strategischen Zielen des Unternehmens und davon abgeleitet des Personalmanagements hinzu. Aus dem Verständnis der treibenden Kräfte des Unternehmens versteht es der gute Personalcontroller durch Service und Initiative der Personalführung Richtung, Struktur und Transparenz zu geben.

DGFP Online-Redaktion: Welchen Stellenwert nimmt das Personalcontrolling in Ihrem Unternehmen bzw. für die Personalarbeit bei der Salutas Pharma GmbH ein?

Volker Nürnberg: In der Salutas Pharma GmbH arbeiten wir gemäß den Personalprozessen und hohen Standards innerhalb der Sandoz Organisation, zu der die Salutas Pharma GmbH gehört. Das Personalmanagement hat einen wichtigen Stellenwert um dem Leistungsanspruch und dem Menschenbild der Organisation gerecht zu werden. Personalcontrolling im Sinne von wertorientierter Personalführung ist dabei unverzichtbar. Entscheidungen werden grundsätzlich auf der Basis von transparenter Analyse der Fakten und Einflussfaktoren getroffen. Jeder "associate" im HR-Bereich ist hierzu im Rahmen seiner Funktion auch Personalcontroller.

DGFP Online-Redaktion: Wie ist das Personalcontrolling bei der Salutas organisatorisch/hierarchisch ins Unternehmen eingebunden?

Volker Nürnberg: Wie in meiner vorangegangenen Antwort schon impliziert gibt es keine dedizierte Personalcontrollingfunktion innerhalb der Salutas Pharma GmbH, wie auch nicht in der gesamten Sandoz Organisation. Gleichwohl ist die Personalführung wertorientiert und dadurch bedingt bin ich in meiner Funktion als Standortpersonalleiter, wie alle meine Kollegen anderer Standorte und Länder auch, zu einem nicht unerheblichen Teil meiner Arbeit Personalcontroller. Mit Bezug auf die Personalplanungs- und Budgetprozesse trage ich die Verantwortung für die Planung und das regelmäßigen Reporting des Mitarbeiterbestandes und der Personalkosten. Hierzu nutze ich sowohl Ressourcen in meinem Team, wie auch im Finanz-Controlling.

Einzelne wichtige Kennzahlen, die im Rahmen der Zielorientierung im Brennpunkt stehen, werden im Stab des obersten Personalmanagements der Sandoz für die regelmäßige Diskussion zwischen den Personalverantwortlichen der großen Werke und Länder auf- und vorbereitet.

DGFP Online-Redaktion: Welche besonderen unternehmerischen Herausforderungen unterstützt das Personalmanagement und Personalcontrolling bei Salutas zurzeit?

Volker Nürnberg: Der Arzneimittelmarkt verändert sich drastisch, die Kostendämpfungsgesetze zeigen Wirkung. Immer mehr dominieren Ausschreibungen der Krankenkassen den Markt, bei denen nur das billigste Angebot einen Zuschlag erhält. Daraus resultiert ein immenser Druck auf die Herstellkosten von Arzneimitteln.

In diesem Umfeld stehen alle Unternehmen, welche wie die Salutas Pharma GmbH generische Arzneimittel nach dem Ablauf des Patentschutzes herstellen, vor großen Herausforderungen. Im Personalmanagement steht erstens das Talentmanagement im Brennpunkt, damit die Organisation durch deren Führungskraft den veränderten Bedingungen durch erfolgreichen Wandel begegnen kann.

Zweitens wollen wir unsere HR-Abläufe weiter verbessern. Darüber hinaus unterstützen wir alles, was im Unternehmen unter dem Motto  "Operational Excellence" läuft.

DGFP Online-Redaktion: Welche weiteren aktuellen (HR-)Themen sind für Sie relevant?

Volker Nürnberg: Im Zusammenhang mit wettbewerbsfähigen Personalkosten ist Flexibilität der Arbeitsverfügbarkeit ein weiteres wichtiges Thema. Wir stehen in diesem Zusammenhang auch vor demografischen Herausforderungen, denen wir u.a. durch ein Gesundheitsmanagement begegnen. Weitere relevante Themen sind "work-life balance" sowie die Förderung von Vielfalt und Teilhabe im Projekt "Diversity & Inclusion".

DGFP Online-Redaktion: Zurück zum Personalcontrolling: Welche Kennzahlen erheben Sie unter anderem und mit welchen Instrumenten messen Sie diese Werte?

Volker Nürnberg: Neben dem Krankenstand und der Abweichung der Personalkosten und der Mitarbeiteranzahl gegenüber unseren Planungen fließen derzeit u.a. die folgenden Kennzahlen in unser Personalmanagement ein:

    * die Zeitdauer, in der wir neue Mitarbeiter auswählen bis zur Vertragsunterzeichnung,
    * der Anteil der intern besetzten freien Stellen,
    * die Anzahl der Talente, die wir in neue Funktionen entwickeln konnten,
    * der Anteil der "High-Performer", welche wir im Unternehmen halten können.

Diese Kennzahlen fließen wiederum in ein regelmäßig erstelltes "HR Dashboard" ein.

DGFP Online-Redaktion: Welche Methoden verwenden Sie für die Datenauswertung?

Volker Nürnberg: Unsere relevanten Daten werden in SAP gehalten und üblicherweise anonymisiert in Excel analysiert. Hierbei kommen sehr oft Kreuztabellen ("pivot-tables") in Excel sowie die Häufigkeitsfunktion zum Einsatz, mit der sich beispielsweise die Altersstruktur des Unternehmens einfach und elegant analysieren lässt. Genauso wichtig wie die Auswertung der Daten ist allerdings auch die Qualität der Aussagen und Bewertungen, die durch die Datenauswertung fundiert getroffen werden können. Hierfür verwenden wir Powerpoint.

Spannend wird Datenauswertung, wenn man die vorhandenen Daten und Programme in einen verständlichen Zusammenhang bringen kann. Beispielsweise können wir aus einer Analyse der Alters- und Bildungsstruktur des Unternehmens Argumente und Inhalte für die Stärkung der betrieblichen Erstausbildung ableiten.

DGFP Online-Redaktion: In welche Richtung wird das Personalcontrolling bei der Salutas Pharma GmbH  in den nächsten Jahren weiter entwickelt?

Volker Nürnberg: Wir werden zukünftig die Personalprozesse der einzelnen Unternehmen im Novartis Konzern in Deutschland (wie auch in allen anderen Ländern) weiter vereinheitlichen. Hierdurch schaffen wir die Vorraussetzung für gemeinsam genutzte Servicedienstleistungen. Das Personalcontrolling auf Konzernebene wird dadurch vereinfacht und es werden Grundlagen für einheitliche Personalprozesse in den operativen Einheiten mit verzahnten Zielen und vergleichbaren Kennzahlen für die abgestimmt Arbeit und Bewertung der lokalen HR Business Partner geschaffen.

DGFP Online-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sascha Jussen, DGFP Online-Redaktion.

Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.