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19.10.2011

EAPM Konferenz in Istanbul: Personalmanagement einmal ganz anders erlebt

Die European Association for People Management (EAPM) und ihre nationalen Mitgliedsorganisationen in mehr als 30 europäischen Ländern verfolgen das Ziel, die Qualität des Personalmanagements kontinuierlich zu steigern und gemeinsame professionelle Standards zu entwickeln und zu verbessern. Alle zwei Jahre treffen sich Vertreter der Mitgliedsländer auf einer Konferenz, zuletzt in Istanbul am 28. bis 30. September 2011. Über ihre Erfahrungen und Eindrücke auf der Konferenz sowie ihren Bezug zur Personalarbeit und zur DGFP unterhielten wir uns mit Kathrin Henke (23), die als Gewinnerin des DGFP Bachelor-Preises 2011 mit einer Delegation der DGFP nach Istanbul gereist ist. In einem Zusatz-Beitrag hat Frau Henke ihre Gedanken zum Event selbst zusammen gefasst.

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? Bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor.

Kathrin Henke: Ich bin 23 Jahre alt, seit meinem fünften Lebensjahr begeisterte Handballerin – sowohl als Spielerin als auch zeitweise als Trainerin - und habe Wirtschaftspsychologie studiert. Jetzt gerade bin ich fertig mit meinem Masterstudium, das ich in Manchester absolviert habe. Meine Abschlussarbeit behandelt das Thema „Die Durchführung betriebsbedingter Kündigungen in Krisenzeiten – Ein Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien“.

? Das klingt ja interessant – was hat der Vergleich denn ergeben?

Kathrin Henke: Zunächst einmal herrschen in Deutschland und England ganz verschiedene rechtliche Bedingungen. Daher ist es in England wesentlich einfacher, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, zumal auch das Betriebsratswesen dort wesentlich geringer ausgeprägt als hier. Auch die Mentalität der Personaler ist ganz anders als hier. Kündigungen sind in England „normaler“, werden nicht als so niederschmetternd erlebt und viele Personaler, mit denen ich gesprochen habe, haben im Laufe ihrer Karriere selbst schon einmal eine betriebsbedingte Kündigung erlebt.

? Was hat Sie dazu veranlasst, sich bei der DGFP e.V. um den Bachelor-Preis zu bewerben?

Kathrin Henke: Die DGFP war mir schon seit meinem Studium ein Begriff, weil ich zum Beispiel die empirischen Studien der DGFP als Referenzquelle genutzt habe. Es war dann aber eine Dozentin, die mir den Tipp gegeben hat, mich mit meiner Bachelor-Arbeit „Wissensmanagement unter demographischen Aspekten“ am DGFP Bachelor-Nachwuchspreis zu bewerben. Besonders der ausgeschriebene erste Preis und das darin enthaltene Karriere-Coaching haben mir gut gefallen.

? Vom 28. bis 30. September sind Sie als Gewinnerin des DGFP Bachelor-Nachwuchspreises mit einer Delegation der DGFP e.V. nach Istanbul zur EAPM Konferenz gereist. Was haben Sie dort erlebt?

Kathrin Henke: Ich habe viele Personalmanager aus verschiedenen Ländern kennengelernt und Einblicke in die HR-Arbeit in verschiedenen Ländern erhalten. Besonders der Kontakt mit den türkischen Personalern war interessant. Viele von ihnen haben kein einschlägiges Studium absolviert, das für eine spätere HR-Tätigkeit vorbereitet, sondern kommen aus ganz anderen Bereichen, z.B. Journalismus oder Chemie. Der Ansatz dabei ist, dass es weniger auf spezifisches HR-Wissen, sondern mehr auf analytische Fähigkeiten und soziale Kompetenzen ankommt, die man auch in anderen Berufsfeldern erlernen kann. Interessant war für mich auch der Kontakt zu Preisträgern aus anderen Ländern, die durchweg älter waren als ich, weil viele vergleichbare Wettbewerbe in anderen Ländern eher bereits erfahrene HR-Praktiker ansprachen.
Gut gefallen haben mir auch die internationalen Vorträge, z.B. ein gemeinsamer Beitrag des ehemaligen DGFP-Geschäftsführers Prof. Gerold Frick mit Andrew Spencer mit der englischen HR-Organisation CIPD (Chartered Institute of Personnel and Development). Sie appellierten, dass Personaler internationaler in Denken und Handeln werden müssten. Dazu sollten auch Qualifikationen international leichter übertragbar sein. Weitere Kernthemen auf der Konferenz waren aus meiner Sicht HR als Business-Partner sowie der demografische Wandel.

? Wie geht es für Sie nun beruflich weiter?

Kathrin Henke: Nach Abschluss meines Master-Studiums befinde ich mich gerade in der Bewerbungsphase. Auf jeden Fall möchte ich natürlich im Personalbereich arbeiten, undzwar möglichst in einem international tätigen Unternehmen.

? Welche Bedeutung wird die DGFP für Ihre berufliche Zukunft haben?

Kathrin Henke: Ich bin Mitglied des DGFP Young Professional Network (YPN) und werde es weiterhin bleiben, weil mir der fachliche und persönliche Austausch in diesem Netzwerk sehr wichtig ist. Sicherlich werde ich auch künftig die praxisnahen Studien der DGFP nutzen. Und – wer weiß – vielleicht gehöre ich eines Tages einer Erfahrungsaustauschgruppe der DGFP an.

? Ganz herzlichen Dank für das nette Gespräch und Ihnen alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

Interview und Text: Sascha Jussen, Fachreferent Online-Redaktion (DGFP e.V.)

Als Ergänzung zum Interview hat Frau Henke für uns Ihre Eindrücke und Erfahrungen von der EAPM Konferenz 2011 zusammengefasst:

Besonders gut gefiel mir…
… die Vielfalt der Vorträge, der Vortragenden und der Themen. Natürlich standen aktuelle HR-Themen  wie HR als Business Partner, Social Media oder Talent-Management im Vordergrund. Spannend war, dass sie nicht nur allgemein betrachtet wurden, sondern unter Berücksichtigung verschiedener Kulturen und Arbeitsbeziehungen auch in einer vergleichenden, internationalen Perspektive analysiert wurden. Darüber hinaus beinhaltete das Programm ganz außergewöhnliche Themen wie eine Analyse Istanbuls, Mut am Arbeitsplatz oder Spaß bei der Arbeit.
Bei einer internationalen Veranstaltung werden die Vorträge abgesehen von ihren Inhalten schon abwechslungsreich durch unterschiedlichen Präsentationsstile, die in der Herkunft der Vortragenden begründet sind. 

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Für meine zukünftige Arbeit habe ich folgendes gelernt:
Ich habe eine sehr professionelle, internationale Vernetzung von Vertretern der verschiedenen HR-Fachverbände erlebt. Bei meiner zukünftigen Arbeit würde ich mich gern in einem internationalen Unternehmen mit den Kollegen der anderen Länder über deren Personalpraktiken austauschen und kreative Ideen als Inspiration für meine eigene HR-Tätigkeit nutzen können. Wenn möglich, möchte ich durch meine HR-Rolle helfen, ein unternehmensweites Bewusstsein über die Notwendigkeit und Vorteile von Diversity (in Bezug auf Geschlecht, Alter, Herkunft) zu schaffen. Viele Unternehmen werben zwar damit, in der Unternehmenskultur sind die Themen aber häufig noch nicht fest genug verankert.

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Mein Fazit lautet:
In der Konferenz wurde mein Eindruck bestätigt, dass internationales, strategisches und analytisches Denken immer wichtiger für Personaler wird. Personaler sollten nicht nur höchste Ansprüche bei der Rekrutierung von Mitarbeitern für andere Bereiche des Unternehmens haben, sondern auch allerhöchste Ansprüche bei der Auswahl von Personalern setzen. Vielen Personaler fehlt z.B. eigene internationale Erfahrung. Diese ist aber sehr wichtig, z.B. um Expatriates bei der Eingewöhnung in eine fremde Kultur effektiv unterstützen zu können.  

Text und Fotos: Kathrin Henke

Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.

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