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10.08.2010
Flexibilisierung im Trend: Jedes dritte Stellenangebot richtet sich an Leiharbeiter
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10.08.2010
Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, die der "Berliner Zeitung" (28.07.2010) vorliegt. Demnach haben sich die Jobangebote in der Leiharbeit seit Jahresanfang mehr als verdoppelt, während die Zahl der übrigen Stellen lediglich um ein Drittel zulegte. Entsprechend kletterte der Anteil der Leiharbeitsposten an allen neuen Stellen von 25 Prozent im Januar auf 35 Prozent im Juni.
"Diese Zahlen bestätigen unsere Befürchtungen", sagte der stellvertretende IG Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel der Zeitung. "Leiharbeit vermehrt sich geradezu rasant und verdrängt mehr und mehr Stammbeschäftigung." Wetzel kündigte verstärkten Widerstand an: "Gegen das Bestreben, durch Leiharbeit ein niedrigeres, zweites Tarifniveau in den Betrieben zu etablieren, werden wir Gegenwehr in den Betrieben organisieren." Auch die Bundesregierung sei in der Pflicht, dem Missbrauch von Leiharbeit Einhalt zu gebieten.
Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit?
Kritik kommt auch von der Linkspartei. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin Jutta Krellmann nannte die Daten alarmierend. Sie forderte einen Stopp des "Lohndumpings" per Gesetz. Dieses müsse das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit vom ersten Tag an festschreiben.
Der Verband Gesamtmetall wies die Vorwürfe indes zurück. Zeitarbeit schaffe die Flexibilität, die Unternehmen im internationalen Wettbewerb benötigten, erklärte ein Gesamtmetall-Sprecher. Vor allem gering Qualifizierten erleichtere sie den Einstieg in Arbeit.
"Zeit für gesellschaftliche Anerkennung"
Auch Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, kann der Leiharbeit positive Aspekte abgewinnen: "Leiharbeit ist zwar keine breite Brücke, aber zumindest ein schmaler Steg in Beschäftigung", sagte der Wissenschaftler gegenüber der Berliner Zeitung. Leiharbeit sei trotz Mängel wie Lohnnachteil bei gleicher Qualifizierung "die mit Abstand bessere Alternative zu fortgesetzter Arbeitslosigkeit".
Ganz ähnlich bewertet es auch Prof. Gerold Frick, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V.: "Zeitarbeiter, befristete Arbeitsverhältnisse und andere prekäre Beschäftigungsformen sind für ein flexibilitätsorientiertes Personalmanagement in volatilen Märkten unabdingbar. Es ist endlich an der Zeit, dass diesen Beschäftigungsformen auch die erforderliche soziale und gesellschaftliche Anerkennung zukommt. Dies allein an der Frage der Vergütungsniveaus festzumachen greift zu kurz."
Quellen: dpa, Berliner Zeitung
Sascha Jussen
DGFP Online-Redaktion
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