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13.01.2012

Ganzheitlich und individuell – Gesundheitsmanagement bei Rasselstein

Die Mitarbeiter mit ihrem Engagement, ihren Kompetenzen und Ideen sind ein entscheidender Erfolgsfaktor eines Unternehmens – diese Erkenntnis war Anlass zur Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) bei Rasselstein. 1760 gegründet, ist das deutsche Unternehmen aus Andernach heute eine Tochter von ThyssenKrupp Steel Europe. Am weltweit größten Produktionsstandort für Verpackungsstahl werden jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen verzinntes und spezialverchromtes Feinstblech für 400 Kunden aus 80 Ländern hergestellt. Über das BGM im Unternehmen berichtet Dr. Claus-Erik Gehrke, leitender Betriebsarzt der Rasselstein GmbH.

Dr. Gehrkeklein

Entscheidend für ein erfolgreiches BGM ist ein ganzheitlicher Ansatz, der nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Gesundheit zielt. Dabei geht es nicht nur um den Abbau belastender Bedingungen, genauso wichtig ist die Förderung von Faktoren, die die Gesundheit nachhaltig stabilisieren (salutogener Ansatz). Die psychische Gesundheit der Mitarbeiter wird auf der betrieblichen Ebene durch zwei Faktoren entscheidend beeinflusst: die Arbeitsorganisation und das Sozialklima. Dabei hat das Führungsverhalten eine zentrale Bedeutung, da hierdurch sowohl die Arbeitsorganisation als auch das soziale Miteinander entscheidend geprägt werden. Eine gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung wirkt  somit salutogen, während eine ungünstige Führungskultur das psychische Befinden beeinträchtigen und psychische Erkrankungen begünstigen kann.

Systematisches BGM auf Basis von Daten und Kennzahlen
Der "Gesunderhaltende Betrieb", das systematische betriebliche Gesundheitsmanagement bei Rasselstein, geht auf das Jahr 2003 zurück. Ein "Steuerkreis" gewährleistet die unternehmensweite Koordination aller BGM-Maßnahmen. Eine Gesundheitsberichterstattung dient als Grundlage gezielter Maßnahmen. Wesentliche Datenquellen sind Personalkennzahlen, Gesundheitsbericht der Krankenkassen, interne Gesundheitsaudits und Mitarbeiterbefragungen.

Umfassendes Gesundheitsprogramm von Vorbeugung bis Eingliederung
"Gesundheitsbeauftragte" in den Teams unterstützen die Führungskräfte bei der gesundheitsgerechten Gestaltung der Arbeitsbedingungen vor Ort. Regelmäßige "Gesundheitsteamsitzungen" auf Teamebene gewährleisten dabei den  Austausch mit und die Unterstützung durch die betrieblichen Experten.
Ein betriebseigenes Trainingszentrum ermöglicht ein allgemeines Kraft- und Ausdauertraining ebenso wie  ein gezieltes Training zum Ausgleich beruflicher Fehlbelastungen oder bei Vorerkrankungen. Die Trainingseinweisung und Überwachung erfolgt durch zu Fitnesstrainern qualifizierten Sanitätern des betriebsärztlichen Dienst bzw. bei Vorerkrankungen durch kooperierende Physiotherapeuten. Ein Kraftmessgerät ermöglicht im Rahmen von Re-Checks die Überprüfung des Trainingserfolgs.Gesundheitschecks dienen der Früherkennung zahlreicher Erkrankungen, bei auffälligen Ergebnissen erfolgt  eine Beratung durch den Werkarzt. Generell stehen der Werkarzt, der Gesundheitsmanager und die Sanitäter der Ambulanz bei allen gesundheitlichen Fragen als erste Ansprechpartner zur Verfügung. Die Kooperation mit externen Fachärzten, Psychologen und Ernährungsberatern sowie Physiotherapeuten auf dem Werkgelände ermöglicht zeitnah die weiterführende Behandlung und Beratung. Ein betriebliches Eingliederungsmanagement mit Beteiligung des Werkarztes gewährleistet eine optimale Wiedereingliederung von Mitarbeitern nach längerer Krankheit  oder bei dauerhaften Leistungseinschränkungen. Diverse Seminarangebote zu Gesundheitsthemen (z.B. richtiger Umgang mit der "Schicht“), vermitteln den Beschäftigten vertiefende Informationen.

Bewusstsein schaffen – Verständnis vertiefen
Ein einheitliches Verständnis von betrieblichem Gesundheitsmanagement und der Bedeutung einer gesundheitsgerechten Führungskultur bei allen Führungskräften sowie ein  individuelles Gesundheitsbewusstsein sind entscheidende Erfolgsfaktoren für das betriebliche Gesundheitsmanagement. Um dieses Verständnis bei Führungskräften und Mitarbeitern umfassend  zu vertiefen werden seit 2010 zwei Workshops durchgeführt.

Führungskräfte als zentraler Bestandteil des BGM
In dem dreitägigen Führungskräfteworkshop "Gesund führen – konsequent kümmern" wird zunächst Grundlagenwissen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement vermittelt. Aufbauend darauf reflektieren die Führungskräfte ihre eigene Situation und ihr Befinden, dabei wird nicht nur die berufliche, sondern auch die private  Situation berücksichtigt: was belastet mich, was gibt mir „Kraft“ (Ressourcen)? Wie kann ich meine Situation optimieren? Am Abschlusstag stehen die Mitarbeiter im Mittelpunkt: was bedeutet gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung bzw. was können Führungskräfte über ihr Führungsverhalten zur Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter beitragen. Die Teilnehmer können dabei auch auf Ihre Erfahrungen aus der Analyse der eigenen Situation zurückgreifen. Ziel ist eine kritische Selbstreflexion des eigenen Führungsverhaltens und der Arbeitsbedingungen in ihrem Team. Darüber hinaus wurden die Führungskräfte für die Wahrnehmung von "Frühwarnzeichen" bei  Mitarbeitern mit einer  psychischen Überbeanspruchung sensibilisiert, um ggf.  frühzeitig zu intervenieren. Besonders positiv wurde von den bisherigen Teilnehmern erlebt, dass auch ihre eigene Lebenssituation im Seminar Berücksichtigung fand. Dies stellt  aus Sicht der Veranstalter einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar: über 90 Prozent aller Rasselsteiner Führungskräfte haben bereits am Seminar teilgenommen oder sind angemeldet.

Positive Resonanz auch bei den Mitarbeitern
Die Förderung des individuellen Gesundheitsbewusstseins war das Ziel des Workshops "Zwei Stunden für meine Gesundheit", der allen Rasselsteiner Mitarbeitern im Rahmen der Gruppenarbeit angeboten wurde. Auch hier steht der salutogene Ansatz im Vordergrund: "positive Stressbewältigung", "Fitness", "gesunde Ernährung", "positive soziale Kontakte", "sinnerfülltes Tun" und "medizinische Vorsorge" sind die Schlüssel zu Wohlbefinden und Gesundheit. Den Teilnehmern wurden einfach umsetzbare Handlungshilfen an die Hand gegeben. Anhand eines Fragebogen-Selbsttests konnten die Mitarbeiter ihre eigene Situation reflektieren. Anschließend  wurden sie gebeten, sich selbst ein Gesundheitsziel zu setzen, weiterführende Unterstützungsangebote wurden dargestellt. Auch dieser Workshop fand eine große Akzeptanz, in 94 Prozent aller Gruppen kam es zu einer Umsetzung. 61 Prozent der Teilnehmer bewerteten den Workshop mit "hat mir sehr viel" oder "hat mit etwas gebracht". Vertiefende Folgeworkshops zu den Themen "positive Stressbewältigung", "Fitness" und  "gesunde Ernährung" sind in Planung.

Redaktionelle Bearbeitung:
Sascha Jussen
DGFP Online-Redaktion

Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.

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