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16.01.2012
Health Management bei Siemens: Globales Gesundheitsmanagement mit System
Gesellschaftlicher und geschäftlicher Verantwortung gerecht zu
werden, heißt für Siemens, die Umwelt zu schützen, die Gesundheit
zu fördern, für die Sicherheit der Mitarbeiter, Geschäftspartner
und anderer Beteiligter zu sorgen, sowie natürliche Ressourcen zu
schonen. Siemens hat deshalb im Jahr 2009 betrieblichen und
produktbezogenen Umweltschutz, Health Management und Safety in
einer Zentralabteilung gebündelt, die direkt dem Personalvorstand
zugeordnet ist und konzernweite Richtlinienkompetenz hat. Ihr
Leiter ist zugleich Corporate Medical Director. Der gemeinsame
Auftrag "One world, one life – we care“ folgt maßgeblich zwei
strategischen Leitbegriffen:
- Integrität drückt die Selbstverpflichtung zu eindeutigen und bindenden Handlungsleitlinien aus. Die Unternehmenswerte – verantwortlich, exzellent und innovativ – sind die Grundlage dafür und Umwelt-, Gesundheits- sowie Sicherheitsmanagement stellen wesentliche Handlungsfelder integren unternehmerischen Handelns dar.
- Vor allem für das Health Management (HM) bedeutsam ist das Konzept des Mitarbeiter-Engagements, das Mitarbeiterzufriedenheit beinhaltet, aber weit darüber hinausgeht: Engagement wird angesehen als die Bereitschaft von Mitarbeitenden, auf der Basis einer positiven emotionalen Bindung zum Unternehmen mit ihrem ganzen Potenzial zum Unternehmenserfolg beizutragen. Es schließt Aspekte wie Identifikation mit der Aufgabe, Proaktivitität und das „Gehen der Extra-Meile“ ein. Gesundheit ist – neben Qualifikation und Führung – einer der Schlüsselfaktoren, die Engagement zum Tragen bringen.
Jeder Mitarbeiter soll überzeugt von seinem Unternehmen sagen können, es sei "a great place to work" und soll durch seine Loyalität, Motivation und Leistungsfähigkeit den langfristigen Unternehmenserfolg mit einer starken Marke und einem hervorragenden Arbeitsgeberimage sichern. Gleichzeitig trägt hohes Mitarbeiterengagement so auch zur Senkung der Kosten durch ein geringeres Maß an Fehlzeiten, Präsentismus und Unzufriedenheit bei. Dabei baut HM bei Siemens auf einer langen Tradition auf, die Gesundheit seiner Mitarbeiter als Managementaufgabe und Erfolgsfaktor zu verstehen. So hat Werner von Siemens bereits im Jahr 1884 dies wie folgt formuliert: "Das Verhüten von Unfällen darf nicht als eine Vorschrift des Gesetzes aufgefasst werden, sondern als ein Gebot menschlicher Verpflichtung und wirtschaftlicher Vernunft".
Die Gesundheitsförderung wird in sehr unterschiedlichen Ausprägungen in den Ländern und Geschäftseinheiten seit Jahrzehnten gelebt und praktiziert. Systematisches Health Management ist die notwendige Weiterentwicklung der betrieblichen Gesundheitsförderung. Die Anforderungen sind konzernweit beschrieben, respektieren dabei kulturelle Besonderheiten und lassen Raum für individuelle Ausgestaltung. Das Health Management System basiert auf dem Social Capital and Occupational Health Standard (SCOHS©) und ist somit kompatibel mit der Struktur der ISO-Normen-Familie.
Die wichtigsten Punkte zur systematischen
gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitswelt für alle
Mitarbeiter sind:
- HM folgt der Unternehmensstrategie und den Nachhaltigkeitszielen. Siemens hat es sich zum Ziel gesetzt, Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation seiner Mitarbeiter zu erhalten und nachhaltig zu fördern. Die Gesundheit spielt eine immer größere Rolle und erweitert bzw. komplettiert die Nachhaltigkeitsstrategie.
- HM ist Teil der geschäftlichen Verantwortung, da das
Unternehmen nur so leistungsfähig ist wie seine Mitarbeiter.
Deshalb liegt die Verantwortung für HM, d.h. die Schaffung
gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen, beim Management –
Gesundheit ist „Chefsache“. Die CEOs bzw. Leiter der Einheiten
werden in der Wahrnehmung dieser Aufgabe durch die konzernweite
HM-Fachorganisation und –Experten sowie die HM-Standards für alle
Geschäftsbereichs- und Landesorganisationen unterstützt.
Gesundheit verstehen wir als einen Prozess: Ziel ist ein Zustand physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens.
- Der salutogene Ansatz zur Gesundheitsförderung ergänzt die risiko- und gefährdungsorientierte Herangehensweise der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes. Die Salutogenese fokussiert darauf, was die Menschen gesund erhält. Ziel ist es, die Ressourcen und Potenziale der Mitarbeiter, Führungskräfte und unserer Organisationen zu stärken.
- Es gibt einen verbindlichen inhaltlichen Rahmen, der die
gesundheitsrelevanten Aspekte in Bezug auf die Mitarbeiter und
Organisationen berücksichtigt. Die Maßnahmen gehen weit über
gesetzliche Leistungen der Arbeitsmedizin und des
Gesundheitsschutzes hinaus. In den letzten Jahrzehnten lag der
Schwerpunkt auf der Verhütung physischer Risiken und Schäden an der
Schnittstelle Mensch – Maschine. Diese Aufgabe wird auch in der
Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts weiterhin eine Rolle spielen.
Demographischer Wandel, Globalisierung, Flexibilisierung usw.
stellen neue Herausforderungen an Mitarbeiter und Unternehmen. In
den Fokus rücken die psychische Gesundheit und das Ausschöpfen von
Potenzialen an der Schnittstelle Mensch – Mensch. Damit rückt die
gesamte Organisation in das Blickfeld des Gesundheitsmanagements
und geht weit über die Betrachtung des individuellen
Gesundheitsverhaltens hinaus. Die gesundheitsfördernden Maßnahmen
gehen damit deutlich über den Verantwortungsbereich von Health
Management hinaus und erfordern eine enge Zusammenarbeit mit Human
Resources.
- Die Umsetzung von Programmen und Maßnahmen ist fester
Bestandteil des täglichen Arbeitsablaufs und nicht singuläre
Kampagnen, Initiativen oder Veranstaltungen. Die
Gesundheitsmaßnahmen werden in die täglichen Prozesse und Abläufe
integriert. Deshalb wird die nachhaltige Implementierung von
Gesundheit über ein Managementsystem gesteuert.
Mit dieser Entwicklung und Einführung eines konzernweiten
Health-Management-Systems betritt Siemens im internationalen
Vergleich Neuland.
Weiterführende Literatur: U. Birner, M. Kaminski, B. Wahl, S. Lang,
R. Franke,
Globales Gesundheitsmanagement mit System bei Siemens, S. 199 -
207
in: B. Badura, A. Ducki, H. Schröder, J. Klose, K. Macco
(Hrsg.)
Fehlzeiten-Report 2011 Führung und Gesundheit: Zahlen, Daten, Analysen aus allen Bereichen der Wirtschaft; © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2011
Informationen zu diesem Buch gibt es auch in PERSONALWISSEN
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Redaktionelle Bearbeitung:
Sascha Jussen
DGFP Online-Redaktion
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