Empirische Studien

Kurz gefragt: Ihre Meinung zur Wirtschaftskrise

Die Finanzkrise entwickelt sich zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise. Mit einer Kurzumfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen hat die DGFP e.V. Anfang Dezember 2008 nachgefragt, wie Personalmanager die aktuelle Situation beurteilen, welche Entwicklung sie prognostizieren und wie sie mit den besonderen Herausforderungen umgehen, vor die die Wirtschaftskrise sie stellt.

Bislang ist erst jedes dritte Unternehmen von der Krise stark betroffen

32 Prozent der befragten Personalmanager berichten, dass sich die Wirtschaftskrise bereits heute sehr stark oder ziemlich stark auf ihr Unternehmen auswirkt. Das gilt insbesondere für den Maschinen- und Fahrzeugbau sowie für die Elektroindustrie. Andererseits sind 34 Prozent der untersuchten Unternehmen bislang kaum oder gar nicht betroffen - vor allem Versicherungen, IT-Dienstleister, Transportunternehmen sowie Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. (Aufgrund der eher geringen Fallzahlen je Branche sollten diese differenzierten Ergebnisse jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.)

Insgesamt erwarten die Befragungsteilnehmer aber, dass die Krise im ersten Halbjahr 2009 stärker um sich greifen wird: 52 Prozent der Befragten rechnen damit, dass ihr Unternehmen die Wirtschaftskrise im nächsten halben Jahr sehr stark oder ziemlich stark spüren wird; lediglich 15 Prozent wagen die optimistische Prognose, dass sich die Wirtschaftskrise in den kommenden Monaten kaum auf ihr Unternehmen auswirken wird.

Zwischen der Beurteilung der heutigen Situation und der Vorhersage für die ersten sechs Monate des neuen Jahres besteht ein starker Zusammenhang: Personalmanager aus Unternehmen, die schon heute von der Krise stark betroffen sind, gehen eher davon aus, dass das auch im ersten Halbjahr 2009 so sein wird, während Personalmanager aus Unternehmen, die heute kaum oder gar nicht betroffen sind, tendenziell optimistischer in die nahe Zukunft blicken.

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Personalmanager setzen auf Abbau von Überstunden

Es ist vorauszusehen, dass die Wirtschaftskrise eine Anpassung der personellen Kapazitäten erforderlich machen wird - 82 Prozent der befragten Personalmanager gehen davon aus, Personalmaßnahmen ergreifen zu müssen.

Sie setzen einerseits auf den Abbau von Überstunden (und die Nutzung von Arbeitszeitkonten) und andererseits auf eine Begrenzung des Personalbestands durch Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverträge und durch Einstellungsstopp - mehr als die Hälfte der befragten Personalmanager ziehen diese Maßnahmen in Betracht. Immerhin 39 Prozent denken darüber nach, bestehende Zeitarbeitsverträge nicht zu verlängern oder zu kündigen.

Stammpersonal abzubauen können sich allerdings nur wenige Personalmanager vorstellen: Aufhebungsverträge werden von 21 Prozent als potenzielle Maßnahme genannt, Altersteilzeit von 18 Prozent und betriebsbedingte Kündigungen nur von 13 Prozent. Auch eine Kürzung freiwilliger Sozialleistungen oder Sonderzahlungen kommt lediglich für 9 Prozent der befragten Personalmanager in Frage.

Welche Personalmaßnahmen ein Unternehmen voraussichtlich ergreifen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, wie stark es von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen ist bzw. in absehbarer Zeit sein wird. Alle genannten Maßnahmen - mit Ausnahme der Befristung von Neueinstellungen, der Altersteilzeit und der Kürzung freiwilliger Leistungen - werden hauptsächlich von stark betroffenen Unternehmen in Erwägung gezogen.

Und auch die Unternehmensgröße spielt bei der Auswahl der Personalmaßnahmen eine Rolle: Arbeitszeitkonten werden eher in größeren Unternehmen eingesetzt.

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Unternehmen sparen eher am Personalmarketing als an der Personalentwicklung

Während nur zehn Prozent der befragten Personalmanager damit rechnen, dass ihr Unternehmen 2009 weniger in die Personalentwicklung investieren wird, gehen immerhin 26 Prozent davon aus, dass beim Personalmarketing gekürzt wird.

Insgesamt rechnen 58 Prozent der Befragten mit ungekürzten Budgets sowohl für das Personalmarketing als auch für die Personalentwicklung. 9 Prozent erwarten Kürzungen in beiden Bereichen. 12 Prozent gehen von unverminderten Investitionen in die Personalentwicklung und Einsparungen im Personalmarketing aus. Umgekehrt rechnet kein einziger Befragungsteilnehmer damit, dass bei der Personalentwicklung gespart wird, während das Personalmarketing-Budget unangetastet bleibt.

Die Vorhersage hinsichtlich der Investionen in Personalmarketing und -entwicklung wird erwartungsgemäß durch die wirtschaftliche Prognose für das erste Halbjahr 2009 beeinflusst: Personalmanager, die mit drastischen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf ihr Unternehmen rechnen, gehen eher davon aus, dass beide Budgets - insbesondere jedoch das für das Personalmarketing - gekürzt werden.

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Zum Hintergrund der Umfrage

  • Zu der Online-Befragung waren 708 verantwortliche Personalmanager aus DGFP-Mitgliedsunternehmen eingeladen worden. 100 Personalmanager haben an der Befragung teilgenommen (14 Prozent). 
  • Unter den Befragungsteilnehmern sind Personalmanager aus kleinen, mittleren und großen Unternehmen (24 Prozent unter 500 Mitarbeiter; 20 Prozent 500 bis unter 1000 Mitarbeiter; 37 Prozent 1000 bis unter 5000 Mitarbeiter; 18 Prozent ab 5000 Mitarbeiter) sowie aus allen Branchen mit Ausnahme der Kommunikationstechnik, der Baubranche und des Gesundheitswesens (Schwerpunkte: Maschinen-/ Fahrzeugbau: 18 Prozent; Elektroindustrie: 11 Prozent; Chemie/Pharma: 10 Prozent).


DGFP Blitzlicht - Wirtschaftskrise.pdf

Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.