"Ausbildungsqualität spricht sich herum"

Maul

DGFP: Willkommen zum heutigen Chat zum Thema „Ausbildungsqualität spricht sich herum". Ich begrüße ganz besonders Herrn Daniel Maul (Sparkasse Wittenberg), der Ihnen nun im Chat als Experte für Ihre Fragen und Diskussionen zur Verfügung steht.

Daniel Maul: Guten Tag und herzlich willkommen auch von mir.

Klaus Mertens: Sehr geehrter Herr Maul, wie stellen Sie sicher, dass Ihre Auszubildenden die IHK-Abschlußprüfung mit guten Leistungen absolvieren?

Daniel Maul: Um den Ausbildungserfolg abzusichern, ist eine eng verzahnte Ausbildungskonzeption m. E. unbedingt notwendig. D. h. dass von Beginn eine enge Betreuung durch erfahrene Praktiker erfolgen sollte. In meiner Erfahrung haben sich Patenkonzeptionen dabei sehr gut bewährt. Gleichzeitig ist es notwendig nicht ausschließlich auf die Aneignung von Fachwissen hinzuarbeiten, sondern die Auszubildenden in der gesamten Persönlichkeit zu fördern. Wichtig ist hierbei, dass insbesondere die Förderung der Methodenkompetenz die Auszubildenden in die Lage versetzt, sich Wissen nachhaltig in Eigenregie anzueignen und regelmäßig auf dem neuesten Stand zu halten. Dies ist besonders vor der Herausforderung des lebenslangen Lernens zunehmend von Bedeutung.

T. Claus: Hallo Herr Maul. Wodurch zeichnet sich Ausbildungsqualität aus?

Daniel Maul: Ausbildungsqualität wird aus meiner Sicht von zwei Seiten her definiert. Zum einen wird natürlich das Unternehmen bestimmte Qualitätskriterien an den Ausbildungsbereich richten (Bestehensquote IHK-Prüfung, Auswertungen interner Tests etc.). Zum anderen wird Ausbildungsqualität aber auch immer stärker durch die Bewerber und deren Anforderungen an die Ausbildung und das Berufsleben definiert.
Hier steht zum einen mit Sicherheit auch der Ausbildungserfolg im Mittelpunkt. Gleichzeitig legen nach meiner Beobachtung junge Leute verstärkt auch Wert auf die Betreuung während der Ausbildung, Möglichkeiten der Selbstverwirklichung auch schon in diesem Stadium des Berufslebens, vielfältige Lernmittel und herausfordernde Aufgaben. Auch diese Anforderungen werden bei der Einschätzung der Ausbildungsqualität mit bewertet.

Klaus Mertens: Und wie stellen Sie die Qualität des Berufsschulunterrichts sicher?

Daniel Maul: Der Kontakt zu den Berufsschulen ist mit Sicherheit oftmals schwierig. Ich habe persönlich gute Erfahrungen mit Einladungen an Berufsschullehrer zu Präsentationen unserer Auszubildenden. Gleichzeitig bieten wir z. T. Lehrerfortbildungen durch Spezialisten des Unternehmens an, die mit einer offiziellen Fortbildungsnummer anerkannt wurden. In regelmäßigen Abständen treffe ich mich auch mit den jeweiligen Berufsschullehrern, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten und so die Qualität zumindest auf diesem Weg beeinflussen zu können. Wichtig ist dabei die Kontinuität der Zusammenarbeit, um langfristig auch das Vertrauen in einander aufzubauen.

T. Claus: Welches sind die "Stellschrauben" um die Ausbildungsqualität zu erhöhen?

Daniel Maul: Als "Stellschraube" die Ausbildungsqualität zu beeinflussen ist zunächst einmal der enge Kontakt zu allen Beteiligten notwendig, um Schwachstellen zu erkennen und abzubauen. Dies beginnt bei der Geschäftsleitung, welche die strategische Zielsetzung für die Ausbildung und Personalentwicklung definieren sollte und so schon einmal wichtige Kriterien für die Bewertung der Ausbildungsqualität aus Unternehmenssicht liefert. Weiterhin ist der direkte Kontakt zu Auszubildenden und Ausbildern vor Ort zu halten, um Schwachstellen der Ausbildungskonzeption zu erkennen und die Anforderungen der Beteiligten besser kennen zu lernen. Dies können regelmäßige Treffen mit Ausbildern sein oder Besuche durch den Ausbildungsverantwortlichen vor Ort. Wichtig ist, dass offen über Probleme diskutiert werden kann und dabei sowohl die Meinungen der Praktiker, als auch der Auszubildenden in den Ausbau der Ausbildungskonzeption einbezogen werden. Der Ausbau der Ausbildungsqualität ist dabei oftmals gar nicht mit einem erhöhten finanziellen Aufwand verbunden. Vielfach lässt sich das Lernumfeld im Betrieb durch recht einfache Mittel attraktiver gestalten, so z. B. durch Projektlernen, Gruppenarbeiten, regelmäßige jahrgangsübergreifende Treffen zum Erfahrungsaustausch unter
den Auszubildenden.

Klaus Mertens
: Wie erfahren Schüler von Ihrem Unternehmen und von dem wie Sie ausbilden?

Daniel Maul: Zunächst einmal nutzen viele Schüler die "klassischen" Informationswege über das Berufsinformationszentrum, sowie die Homepage der Sparkasse. In den letzten Jahren konnten wir allerdings verstärkt feststellen, dass potenzielle Bewerber durch Bekannte, insbesondere auch Auszubildende der Sparkasse
direkt angesprochen wurden. Gleichzeitig präsentieren wir regelmäßig die Ausbildung an Schulen der Region, z. T. auch unter Einbindung von Auszubildenden, die dann die Ausbildung aus eigenem Erleben darstellen können. Gerade diese Erfahrungsberichte, z. T. auch ohne Beisein des Ausbilders haben eine größere Glaubwürdigkeit als Hochglanzbroschüren. Alternativ zu den Besuchen vor Ort lässt sich auch ein ungefilterter Erfahrungsbericht der Auszubildenden durch Blogs realisieren.

T. Claus: Wo sehen Sie die meisten Defizite bei der Ausbildung in Unternehmen?

Daniel Maul: Aus meiner Sicht wird auch in der betrieblichen Ausbildung vielfach noch zu stark auf Fachwissen Wert gelegt. Die Förderung der Methoden- und Sozialkompetenz kommt dabei oft zu kurz. Gerade aber Methoden- und Sozialkompetenz sind unabdingbare Voraussetzungen um überhaupt auf Dauer arbeitsfähig zu bleiben und im Unternehmen eine Arbeitsleistung zu erbringen bzw. Veränderungen mit zu gestalten und dabei Schritt zu halten.

C. Schröder: Nehmen Sie auch an Bewerbermessen teil? Ist das für mittelständische Unternehmen sinnvoll oder interessieren sich die Jugendlichen ohnehin nur für die Stände der "großen", bekannten Firmen?

Daniel Maul
: Wir nehmen an einer regionalen Bewerbermesse teil und organisieren diese auch als Auszubildendenprojekt in Zusammenarbeit mit einem Bildungsträger.
Unsere Erfahrungen sind dabei gemischt. Die Messe wird oftmals mit der Schulklasse besucht, wobei die Qualität der Gespräche in diesem Rahmen als weniger gut einzuschätzen ist. Sobald Eltern mit vor Ort sind wandelt sich das Bild und man kommt auch mit den Jugendlichen besser ins Gespräch. Nur wenige Bewerber werden wirklich ausschließlich auf Grund unserer Messepräsenz auf die Ausbildung bei uns aufmerksam. Oft dient die Messe zum Abgleich bereits vorhandener Informationen aus dem Internet oder dem Berufsinformationszentrum. Neben großen Unternehmen können meines Erachtens durchaus auch mittelständische Unternehmen gut mithalten, da nach meiner Beobachtung Bewerber stark auf die Qualität der Betreuung und dabei auch auf individuelle Förderung Wert legen.

C. Schröder: Sie sprechen viel von Sozial- und Methodenkompetenz. In welcher Form wird den Azubis solches Wissen bei Ihnen vermittelt?

Daniel Maul
: Sozial- und Methodenkompetenz wird bei uns durch verschiedene Instrumente gefördert. Zum einen sind das mit Sicherheit die regelmäßig stattfindenden Auszubildendenprojekte, bei denen in der Auswertung gerade auch auf diese Kompetenzen geachtet wird. D. h. die Vermittlung findet in einer echten Arbeitssituation statt. Gleichzeitig erfolgt der Lernprozess für die Aneignung des unternehmensspezifischen Wissens stark selbstgesteuert an Hand von Lernaufträgen zu den einzelnen Fachbereichen der Ausbildung. Ausbildungsbetreuer stehen dabei verstärkt als Lernprozessbegleiter zur Seite. Es wird allerdings weniger Wissen bereits fertig aufbereitet durch die Verantwortlichen präsentiert. Die Inhalte der Lernaufträge werden zum Ausbau des Präsentationsverhaltens und rhetorischer Fähigkeiten in regelmäßigen Abständen vor Ausbildern und Auszubildenden präsentiert und die Arbeit danach gemeinsam ausgewertet. Gerade kundenbezogene Fähigkeiten werden in Rollenspielen regelmäßig geübt und auch einmal jährlich in einer internen Prüfung bewertet, um auch hier rechtzeitig Abweichungen zu erkennen und den Ausbildungserfolg zu sichern.

Suzanna Hegel: Hallo Herr Maul, wir organisieren auch Projekte mit den Azubis, damit Methodenwissen keine graue Theorie bleibt. Wie hält man aber die Fachabteilungen bei der Stange?

Daniel Maul: Die Einbindung von Fachabteilungen lässt sich zum einen durch die Einbindung in die Festlegung der Projektthemen erreichen. Vor dem ersten Durchgang der Projekte starteten wir dabei eine Umfrage an alle Fachabteilungen zu möglichen Projektthemen. Bei dieser Vorgehensweise ist es allerdings wichtig, dass der Ausbilder genau auswählt, welche Themen bearbeitet werden, um die Übertragung von "ungeliebten" Arbeiten an die Auszubildenden zu vermeiden. Nach dem ersten Durchgang der Auszubildendenprojekte war es dann wichtig auch zu kommunizieren, wie der Verlauf war und welche Erfolge erzielt wurden, um nachhaltig das Interesse für die Projektarbeiten zu wecken und den Mehrwert für das Unternehmen darzustellen.
Aus meiner Erfahrung ist so eine Eigendynamik entstanden, durch die regelmäßig Projektideen für die Auszubildenden aus den Fachbereichen zugearbeitet werden. Natürlich ist hierzu wie so oft ein langer Atem notwendig.

DGFP: Der Chat geht nun langsam zu Ende. Im Namen der DGFP bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Teilnehmern für das Interesse. Unser besonderer Dank gilt Herrn Daniel Maul für seine interessanten Ausführungen! Weitere Informationen zum Thema „Ausbildungsqualität" finden Sie unter www.dgfp.de.
Beachten Sie auch die DGFP-Präsenzveranstaltung „AusbilderPraxistag" am 12. November 2008 in Leipzig.

Daniel Maul: Ich bedanke mich auch für die vielen interessanten Fragen und wünsche allen weiterhin viel Spaß beim ausbilden. Viele Grüße, Daniel Maul

Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.