"Interim Management"

 DGFP-Expertenchat 24.03.2011
„HR Interim Management“


Danica Dorawa: Herzlich willkommen zum heutigen Experten-Chat zum Thema „HR Interim Management“. Ich freue mich besonders, dass Sie trotz des schönen Wetters heute dabei sind. Ganz besonders begrüße ich Herrn Büchsenschütz, selbstständiger Berater und Interim Manager für den Personalbereich.

Teilnehmer: Guten Tag, in unserem mittelständischen Betrieb hat der Leiter Personalwesen mit Wirkung zum 30.06.2011 gekündigt und wir haben trotz einer Stellenanzeige immer noch keinen Nachfolger. Würden Sie in so einem Fall einen Interim Manager empfehlen und ab wann müssten wir diesen spätestens ausfindig machen?

Joachim Büchsenschütz: Es spricht nichts gegen den Einsatz eines Interim Managers. Für die Suche bzw. Auswahl müssen Sie ca. zwei Wochen veranschlagen.

Teilnehmer:Wenn ich mich für einen über die DGFP vermittelten Interim-Manager entscheide. Kann ich davon ausgehen, dass dieser wirklich was kann, also nachweislich qualifiziert ist?

Joachim Büchsenschütz: Definitiv ja! Die DGFP hat mich selber auch intensiv interviewt um meine Qualifikation darstellen zu können. Andere Provider sind da etwas großzügiger...

Teilnehmer: In zwei Wochen kann man einen Interim-Manager von der ersten Nachfrage bis zum ersten Arbeitstag bekommen? Ist das generell so, oder ist das eine Besonderheit der "DGFP Interim Manager?"

Joachim Büchsenschütz: Ein guter Provider kann Ihnen, wenn er genügend Kandidaten im Pool hat, in dieser Zeit einen Interim Manager zur Verfügung stellen. Natürlich hängt dies von der Auslastung der derzeitigen Interim Manager ab.

Teilnehmer: Wie lang sollte mindestens der Zeitraum sein, für den ein Interim Management Sinn macht?

Joachim Büchsenschütz: Mindestens vier Monate.

Teilnehmer: Sind HR Interim Manager = HR-Generalisten oder gibt es in diesem Gebiet auch Spezialisten, z.B. für Leiter Personalentwicklung bzw. - in unserem Fall - Aufbau eines solchen Bereichs?

Joachim Büchsenschütz: Meines Wissens nach gibt es auch ausgewiesene Spezialisten, z.B. gerade auch für PE. Das Interim Management kann auch aus einem Projektmanagement bestehen, d.h. bestimmte Aufgabenfelder werden einem Interim Manager übertragen. Das muss also nicht gleich die gesamte HR-Leitung sein.

Teilnehmer: Noch zwei Fragen, wenn ich darf: Erstens wieso vier Monate, wie kommen Sie auf genau diesen Zeitraum, würde mich einfach interessieren ohne das in Frage zu stellen. Und zweitens, wäre ein Interim Manager auch etwas für eine Projektleitung ohne (disziplinarische) Führungsverantwortung?

Joachim Büchsenschütz: Zu Ihrer ersten Frage: Normal sind 6 bis 12 Monate Interim Management. Es kann aber auch ein kleines Projekt sein, z.B. Rekrutierung, oder Personalabbau oder Krankheitsvertretung, und dann wären auch kürzere Zeiträume als sechs Monate möglich. Und zur zweiten Frage antworte ich "Ja".
Hier verschiede Möglichkeiten für Projekte: Einführung eines neuen Vergütungssystems, Review und Überarbeitung der PE-Systeme, Schulung der Führungskräfte nach BR-Wahl im Betriebsverfassungsgesetz, Rekrutierung und Personalabbau hatte ich erwähnt. Aber auch: Unterstützung bei Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan.

Teilnehmer: Bekommen Interim Manager ("nur") ein Fix-Gehalt oder auch erfolgsbezogene Komponenten, z.B. eine Prämie nur bei erfolgreichem Projektabschlüssen?

Joachim Büchsenschütz: In der Regel gibt es einen festen Tagessatz. Alles andere ist Verhandlungssache, ich selbst habe das aber noch nicht erlebt. Diese Idee einer solchen Verhandlung finde ich aber sehr gut.

Teilnehmer: Ich habe gleich zwei Fragen: 1. wie sieht es in puncto Vertraulichkeit/Einblick in Betriebsinterna aus? 2. Wie sieht aus mit Akzeptanz von Seiten der Mitarbeiter, die einem I.M. unterstellet werden?

Joachim Büchsenschütz: 1. Die Verträge beinhalten immer eine Klausel zu Vertraulichkeit und Betriebsgeheimnissen. ähnlich wie in den Arbeitsverträgen auch, verpflichtet sich ein Interim Manager dazu, über alle Interna absolute Vertraulichkeit zu wahren.
Wenn ein IM sich daran nicht halten würde, wäre er sehr schnell aus dem Geschäft. Vertraulichkeit ist das A und O eines solchen Konstrukts.
Und zu 2. Akzeptanz hängt in hohem Maß von der sozialen und fachlichen Kompetenz des IM ab. Wenn die Mitarbeiter sehen, dass Sie einen Fachmann vor sich haben, der sie auch menschlich überzeugt, gibt es keinerlei Akzeptanz-Probleme.
Wichtig ist, von Anfang an offen die Mitarbeiter in alles einzubeziehen und Transparenz zu schaffen, auch über die beabsichtigten Zukunftspläne im betroffenen Unternehmen zu informieren.

Teilnehmer: Können/dürfen Sie in diesem Rahmen hier Zahlen nennen, was ein Interimmanager "kostet" oder wo könnte ich ggf. eine Vergleichszahl bekommen? Gibt es so etwas wie einen Interim Manager Berufsverband?

Joachim Büchsenschütz: Man kann von einem Tagessatz zw. 800 u 1400 € ausgehen. Das hängt ab von Dauer und Intensität des Projekts. Die DGFP kann dazu aber Auskunft geben.

Teilnehmer: Nochmals zur Akzeptanz, diesmal eher integrativ gemeint? Wird ein Interim Manager gerade bei einer kürzeren Laufzeit von nur rund 4 Monaten immer ein Fremdkörper im Unternehmen bleiben? Oder wie schafft er/man/sie die Integration bis hin dazu, dass die zugeordneten Mitarbeiter ihm vertrauen?

Joachim Büchsenschütz: Die 4 Monate sind sicherlich ein Sonderfall. Durchschnittlich gehen wir von 6-12 Monaten aus. Ich habe mich bisher nie als Fremdkörper in einem Unternehmen gefühlt und positives Feedback erhalten.
Ich denke außerdem, dass es von der Persönlichkeit des Einzelnen abhängt, wie er das Vertrauen zu den Mitarbeitern und Führungskräften schafft. Besonders ist vor allem auch ein intensives und vertrauensvolles "Zugehen" auf den Betriebsrat.

Danica Dorawa: Wir sind nun am Ende des Chats angelangt. Ich bedanke mich herzlich für Ihre Teilnahme und ihre Fragen. und wünsche Ihnen noch einen erfolgreichen Tag!

Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.