Aktuelle Ausgabe

März 2017: Strategisches Personalmanagement

Titel 0317 klein
Die Digitalisierung wird das „Modell Deutschland“ von Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung grundlegend verändern. Sowohl für das Management als auch für Betriebsräte und Gewerkschaften eröffnen sich große Experimentierräume. Wie sich der Wandel konkret gestalten lässt, dafür gibt es noch keine Blaupausen. Möglich sind die Einrichtung von Praxislaboren genauso wie Vereinbarungen zur (Weiter-)Qualifizierung von Beschäftigten, Regelungen zum Ausgleich von Arbeitsbelastungen und Arbeitszeiten oder Vereinbarungen zum digitalen Technikeinsatz. Auf jeden Fall muss der Wandel auch die Unternehmenskultur und das Führungsverhalten erfassen, so Marc Schietinger.

Am 1. April 2017 tritt die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) in Kraft. Die Leiharbeit soll dadurch wieder auf ihre Kernfunktion zurückgeführt und der Missbrauch von Werkverträgen verhindert werden. Auch wenn einige Neuerungen wenig durchdacht erscheinen und sogar auf verfassungsrechtliche Bedenken stoßen, muss sich die Praxis auf das neue Recht einstellen. Handlungsbedarf entsteht auch, weil sich die digitale Arbeitswelt auf die Leiharbeit auswirkt. Unternehmen müssen zudem stets die europarechtlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten, erläutert Jobst-Hubertus Bauer.

Das deutsche Arbeitsrecht ist auf eindimensionale Strukturen angelegt und knüpft an einen Arbeitgeber als Vertragspartner oder an einen Betrieb als Arbeitsstätte an. In Matrixstrukturen dagegen sind Aufgaben und Funktionen im Unternehmen länder- und / oder betriebsübergreifend in einem Mehrliniensystem angeordnet und bilden etwa Business Units, Competence Center oder Shared Services Center. Arbeitsrechtlich relevant ist, dass Mitarbeiter nicht mehr nur einem Vorgesetzten, etwa in Deutschland, unterstellt sind oder nur einem Betrieb zugeordnet werden. Innerhalb einer Matrixstruktur können Mitarbeiter Weisungen eines weiteren Managers unterliegen, der in einer anderen Betriebsstätte, manchmal sogar in einer ausländischen Konzerngesellschaft angesiedelt ist. Andreas Seidel beschreibt die neuen Herausforderungen für das Personalmanagement.

Seit der ersten Gründung eines Europäischen Betriebsrats (EBR) im Jahr 1985 im französischen Elektronikunternehmen Thomson ist die Anzahl solcher Arbeitnehmervertretungen konstant gestiegen. Das seit 2011 geltende neue EBR-Recht hat den Aktivitäten Europäischer Betriebsräte qualitative Impulse gegeben, die sich in immer mehr Unternehmen bei der Gestaltung transnationaler Betriebsänderungen bemerkbar machen. Hinzu kommt eine wachsende Zahl von grenzüberschreitenden SE-Betriebsräten, die in Unternehmen mit der Rechtsform der Europäischen Aktiengesellschaft (SE) den herkömmlichen EBR ersetzen. Für die Zukunft zeichnet sich ab, dass die Arbeitnehmervertreter noch professioneller werden müssen – und dass die Arbeitgeber höhere Budgets für die Betriebsratsarbeit zuweisen müssen, so Werner Altmeyer.

Auch in dieser Ausgabe der PERSONALFÜHRUNG wollen wir Impulse zu aktuellen Themen für die Diskussion in der HR-Community geben. Was wir gemeinsam mit dem Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU) zu Sozialpartnerschaft und Arbeitsrecht 4.0
anzumerken haben, lesen Sie in unserem Impuls. Wir freuen uns auf Ihre Resonanz.

Die Metapher „Lotse“ benutzte Matthias Meifert im Herausgeber-Interview gleich zweimal: einmal als Teil des Ansatzes, den er mit seinem Beratungsunternehmen HRpepper verfolgt, einmal als Leitbild für HR, das Organisationen durch kulturelle Möglichkeiten, Leadership-Optionen, Reifegraddiskussionen und neue Arbeitsformen navigiert.

Digitalisierung steht bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Tagesordnung. Dadurch eröffnet sich eine Reihe von Möglichkeiten für die Personalarbeit. Zu den „Low hanging fruits“ zählt vor allem, dass zukünftig anfallende Personaldaten nicht mehr ausschließlich in unterschiedlichen und oft inkompatiblen Systemen abgelegt werden oder in Aktenordnern Staub ansetzen, sondern in mächtige Personalmanagementsysteme eingepflegt werden. Wie relevante Vorgänge so weltweit und just in time bearbeitet werden können, beschreiben Moritz Meißner und Jens Nachtwei.


Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.