Arbeiten in virtuellen Strukturen

Gestaltungsaufgaben für das Personalmanagement

Virtuelle Arbeitsprozesse in Unternehmen sind komplexe Herausforderungen für Mitarbeiter, Teams und letzlich für die gesamte Organisation. Das Personalmanagement steht vor der Aufgabe, proaktiv mit neuen "medialen" Kompetenzanforderungen an Führungskräfte und Mitarbeiter umzugehen. Auch die damit einher gehenden neuen Arbeitsstrukturen und eine veränderte Anwendung der Personalinstrumente stellen eine Herausforderung dar.

Angesichts der internationalen Dimensionen des Wettbewerbs in einer globalisierten Wirtschaftswelt ist die Reaktionsgeschwindigkeit zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren von Unternehmen geworden. Das gilt sowohl für eine möglichst schnelle Reaktion auf die Kundenwünsche als auch für die zügige Anpassung an veränderliche Markt- und Produktionsbedingungen.

Die Errungenschaften der elektronischen Datenverarbeitung und die Internettechnologie bieten immer leistungsfähigere Lösungen zur Sicherstellung immer höherer Reaktionsgeschwindigkeiten in betrieblichen Prozessen. Damit gehen auch Risiken einher: Denn bei aller Euphorie über das technisch Machbare und die damit verbundenen Optimierungs- und Rationalisierungspotentiale muss sichergestellt werden, dass die Nutzer der neuen Technologien mitgenommen werden auf dem Weg in virtuellen Arbeitsstrukturen.

"Virtuell" heißt in diesem Zusammenhang, dass die Menschen sich nicht mehr persönlich für den Austausch von Informationen bzw. für Kommunikation generell begegnen, sondern Medien nutzen, die eine Quasi-Begegnung ermöglichen. Die Face-to-Face-Kontakte im Unternehmen werden mehr und mehr durch Face-to-Interface-Kontakte ersetzt. Ob dies in gewissem Ausmaß auch zu einer Enthumanisierung der Arbeit beiträgt, ist eine der Schlüsselfragen für das Personalmanagement der kommenden Jahre. Antworten müssen den Zielen des Unternehmens gerecht werden; aber auch die Bedingungen, Zumutbarkeiten und Interessen auf menschlicher Seite berücksichtigen.

Das Bündel von Herausforderungen für ein zukunftsorientiertes Personalmanagement ist dementsprechend vielfältig:

  • Welche Anforderungen stellt die virtuelle Zusammenarbeit an Führungskräfte und Mitarbeiter? Und wie muss das Personalmanagement hinsichtlich seiner Personalauswahl-, Personaleinsatz- und Personalentwicklungsverfahren (re)agieren?
  • Was bedeutet die Virtualisierung der Zusammenarbeit für die Mitarbeiterführung? Welche Auswirkungen auf die vom Personalmanagement gestalteten Führungssysteme gibt es?
  • Wie lassen sich von Zeit und Raum unabhängige Interaktionsprozesse synergetisch für die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft des Unternehmens nutzen? Welche Unterstützungsleistungen kann das Personalmanagement dabei erbringen?
  • Welche Auswirkungen hat eine Virtualisierung der Zusammenarbeit auf die Unternehmenskultur und wie kann das Personalmanagement steuernden Einfluss nehmen?
  • Welche Schwerpunkte ergeben sich für das Personalcontrolling, wenn Belegschaften virtuell zusammen arbeiten?


Gestaltungsaufgaben für das Personalmanagement

Personen, die virtuell kooperieren sollen, müssen auf diese Form der Zusammenarbeit vorbereitet werden. Das gilt insbesondere für Führungskräfte, die maßgeblich an der Etablierung der förderlichen Unternehmenskultur mitwirken. Eingeschliffene Führungsroutinen, die sich aus dem face-to-Face-Führungsverhalten entwickelt haben, verlieren teilweise ihre Wirksamkeit. Darum kommt es darauf an, die Führungskräfte dabei zu unterstützen, ihr Führungsverhalten bei der Umstellung auf virtuelle Zusammenarbeit zu reflektieren. Zugleich ist es wichtig, ihnen Hilfestellung bei der Entwicklung neuer Führungsroutinen in der virtuellen Führungssituation anzubieten. So kann z. B. ein Coaching für Führungskräfte, aber auch für Schlüsselpersonen im Team (etwa in kritischen Projektphasen) hilfreich sein.

Auch die Personalarbeit sollte auf die Besonderheiten virtueller Zusammenarbeit abgestimmt werden. So könnten bei Personalauswahlentscheidungen auch die Fähigkeit bzw. Bereitschaft zur virtuellen Zusammenarbeit in den Kompetenzprofilen berücksichtigt werden.  Bei der Personalentwicklung sind spezielle Maßnahmen für die Kompetenzerweiterung auf dem Gebiet der virtuellen Zusammenarbeit gefragt. Je nach Bedarf kann es beispielsweise darum gehen, die Akzeptanz für eine neue Technologie (z. B. eine virtuelle Wissensplattform) zu erhöhen oder einen Wissenzuwachs zu erreichen (z. B. Befähigung zur Moderation von Telefonkonferenzen).

Um die Effizienz und die Effektivität der Arbeit virtueller Teams und Projektgruppen beurteilen zu können, ist ein darauf angepasster Personalcontrolling-Ansatz zwingende Voraussetzung. Operative Voraussetzung dafür ist ein Kennzahlensystem, durch das die Wirksamkeit der virtuellen Arbeitsprozesse transparent wird. Es kommt dabei weniger darauf an, mit welchen, sondern vielmehr dass mit definierten und akzeptierten Kennziffern gemessen wird. Eine geeignete IT-Unterstützung und moderne Kommunikationstechniken sind dafür wichtige Voraussetzungen, wenn auch nicht allein erfolgsentscheidend.

Effektives Arbeiten in virtuellen Strukturen ist vor allem ein "blended working", bei dem Phasen virtueller Zusammenarbeit durch Phasen persönlicher Präsenz ergänzt werden. Ein Beispiel dafür ist die Videokonferenz, die im regelmäßigen Turnus Präsenzveranstaltungen ersetzen kann. Es zeichnet sich bereits ab, dass solche Formen des virtuellen Kooperierens immer mehr zur Normalität vor allem in international operierenden Unternehmen werden bzw. vielerorts bereits sind. Eine durch Vielfalt geprägte Arbeitswelt, in der virtuelle Arbeitsformen gleichberechtigt neben den präsenzorientierten Kommunikationswegen stehen - diese Zukunft der Zusammenarbeit in Organisationen hat bereits begonnen. 

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Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.