Themenschwerpunkt: Vergütungsmanagement in der Praxis
Viele Unternehmen denken nach der Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt über eine Erneuerung ihrer oft undurchschaubaren Entgeltsysteme nach. Dabei geht es nicht darum, weniger, sondern realistischer und flexibler zu zahlen. Die Finanzkrise hat Bewegungin die Vergütungssysteme gebracht. In vielen Unternehmen, vor allem im Bankensektor, wurden im Bereich der variablen Vergütung Fehler bei der Wahl der Erfolgsgrößen gemacht – auch, wenn es um Vorstandsbezüge ging. Die Unternehmen hatten oft finanzielle Zielgrößen wie Ergebnis- oder Renditegrößen statt Risikokennzahlen gewählt. Boni wurden in vielen Fällen ungeachtet der Folgeentwicklung zumeist auf jährlicher Basis und teilweise in unbegrenzter Höhe ausgeschüttet. Dies hat sich durch die Finanzkrise deutlich verändert. Über mögliche Lösungsansätze für ein professionelles Vergütungsmanagement informieren wir Sie in diesem Themenschwerpunkt.
Die Frage nach dem "richtigen" Gehalt - was ist angemessen?
An Fragen wie diesen scheiden sich wohl schon seit der Steinzeit und dem Beginn der Arbeitsteilung die Geister: Wie viel Mammut-Fleisch ist die Arbeit für einen Faustkeil wert? Bis hin zu: Welche variable Vergütung erhält ein Angestellter bei einer Zielerreichung von 90 Prozent? Und wie viel erhält sein Kollege, der vielleicht noch mehr leistet, aber bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt ist? Was ist gerecht? Was ist sinnvoll? Und was ist ökonomisch machbar - für Arbeitgeber und Arbeitnehmer?
mehr lesenVariable Vergütung
Nicht zuletzt die langjährigen Ergebnisse der von der DGFP
organisierten Erfahrungsaustauschtreffen für Personalmanager
zeigen: Im Rahmen eines flexiblen Personalmanagements stellt auch
die Flexibilisierung der Arbeitskosten durch variable Vergütung
bereits seit Jahren einen lang anhaltenden Trend dar. Das gilt
nicht nur für die Vergütung von Führungskräften, sondern in
zunehmendem Maße auch für die Entlohnung von Mitarbeitern. Auch im
Bereich der tarifgebundenen Vergütung - z.B. bei Banken oder in der
Chemie-Branche - nimmt die variable Vergütung zu. Insgesamt heißt
die Tendenz: Der Anteil der variablen an der Gesamtvergütung nimmt
immer weiter zu. Der Anteil der variablen Komponente steigt mit
zunehmender Hierarchieebene.
Erfolgs- und leistungsorientierte Komponenten
Sehr vielfältig werden die Möglichkeiten der variablen Vergütung,
wenn sich diese aus einem Mix von erfolgs- und
leistungsorientierten Komponenten zusammen setzen: So ist es
möglich, die variable Vergütung durch einen Bonustopf im
Maximalbetrag zu deckeln. Möglich sind zudem sowohl additive als
auch multiplikative Verteilungsschlüssel der Einzelkomponenten:
- Additiv: Summe erfolgsorientierte Komponenten + Summe
leistungsorientierte Komponenten = Gesamtsumme variable Vergütung
des Mitarbeiters
- Multiplikativ: Faktor Erfolgsorientierung x Leistungsfaktor =
Gesamtsumme variable Vergütung des Mitarbeiters
Kopplung an Zielvereinbarung und/oder
Leistungsbeurteilung?
Bei einigen Unternehmen hat sich die Herausnahme oder das
Zurückschrauben der Leistungskomponenten zugunsten einer
erfolgsorientierten Vergütung durchgesetzt. Ist das Unternehmen
nicht erfolgreich, enthält der Mitarbeiter eventuell gar keine
variable Vergütung. Aktuell diskutiert wird in der HR-Profession,
ob Zielvereinbarungsprozess, Leistungsbeurteilung oder
Zielerreichung direkt mit der variablen Vergütung gekoppelt werden
soll, oder ob die Freiheit der Führungskraft bei der
Bonusverteilung (wieder) eine größere Rolle spielen soll.
Sascha Jussen
DGFP Online-Redaktion
Neues DGFP-PraxisPapier: Thesen zur Vergütung in Zeiten des demografischen Wandels
Der demografische Wandel ist in den Unternehmen angekommen: Das Durchschnittsalter der deutschen Belegschaften steigt, die Anzahl der Berufsanfänger sinkt, der Mangel an Fachkräften wird spürbar. Wie werden sich diese Veränderungen auf Personalprozesse, inbesondere auf die Gestaltung von Vergütungen, auswirken?
Der DGFP-Arbeitskreis "Vergütung in Zeiten demografischen
Wandels" hat sich intensiv mit den Konsequenzen des demografischen
Wandels für Vergütungssysteme auseinandergesetzt. Ergebnis sind
weiterführende Kernthesen zur vergütungspolitischen
Entwicklung.
"Kreativität ist jetzt gefragt" - DGFP-Interview zum Thema Vergütung
Bei der 12. DGFP-Fachtagung "Vergütung – Vergütungssysteme marktgerecht, leistungsfördernd und demografiesensibel gestalten" wird Lars Hünninghausen, Leiter Grundsätze Beschäftigungsbedingungen, Vergütung und Sozialleistungen, DeutscheBahn AG, über "Vergütung als Instrument einer nachhaltigen Unternehmensführung". Im Interview gibt er uns bereits einen ersten Vorgeschmack, erzählt vom Einfluss der demografischen Entwicklung, den daraus entstehenden, neuen Dimensionen und von Umsetzungsbeispielen der Deutschen Bahn.
mehr lesenNicht-Monetäre Vergütungsanteile
Da verschiedene voneinander unabhängige Studien den Schluss nahe
legen, dass das Gehalt weder der einzige noch der wichtigste
Motivator für (gute) Arbeitsleistung ist, setzen sich im
Personalmanagement mehr und mehr auch nicht-monetäre
Vergütungsanteile durch. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich
diese zusätzlichen Vergütungskomponenten gut in andere
Personalinstrumente wie insbesondere dem Leistungsmanagement, aber
auch in Maßnahmen der Unternehmenskultur oder der betrieblichen
Mitarbeiterförderung integrieren lassen. Auch von Seiten der
Mitarbeiter werden Zuschüsse, Förderungen oder Beratungsangebote
als Ergänzung zum Gehalt in der Regel positiv wahrgenommen und
können so als (zusätzliche) Instrumente der Motivation und
Mitarbeiterbindung fungieren.
Lösungsansatz für längere Lebensarbeitszeit
Seit einigen Jahren stellt auch das Thema Demografie eine wichtige
Einflussgröße für Überlegungen zu nicht-monetären
Vergütungsanteilen dar. Hintergrund ist die allgemeine Verlängerung
der Lebensarbeitszeit sowie ein zunehmender Anteil älterer
Mitarbeiter in Unternehmen. Daher spielen Instrumente wie
Lebensarbeitskonten, Altersteilzeitmodelle, betriebliche
Altersvorsorge oder eine erhöhte Anzahl von Urlaubstagen für ältere
Mitarbeiter eine immer wichtigere Rolle.
Gesamtpaket muss transparent sein
Aufgrund dieser zusätzlichen Vergütungsanteile bzw.
Kompensationsmöglichkeiten besteht für das Personalmanagement die
Aufgabe, diese für Zielgruppen im Unternehmen (insbesondere
Mitarbeiter und ggf. deren Vertretung) und in der Außenwelt (vor
allem potentielle Bewerber) transparent zu machen. In diesem
Zusammenhang sei der Total-Compensation-Ansatz erwähnt: Alle
Geldzahlungen und geldwerten Vorteile wie z.B. Dienstwagen oder
Kindergartenzuschuss werden addiert und in einer Gesamtübersicht
kommuniziert. Wichtigstes Ziel dieser Maßnahme ist, dass
Mitarbeiter und Bewerber, das "Gesamtpaket" aus monetären und
nicht-monetären Kompensationsformen und Benefits besser bewerten
und ggf. auch wertschätzen. Auf diese Weise wird auch
nicht-monetäre Vergütung zu einem echten Motivationsinstrument.
Sascha Jussen
DGFP Online-Redaktion
Eine Leistung der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.

