3 Fragen an: Martin Seiler, wie lebt die Deutsche Bahn Inklusion?

Inklusion als Teil des Diversity-Verständnisses

Die Deutsche Bahn setzt sich seit Jahren für Inklusion am Arbeitsplatz ein, Diversity und Inklusion wird unter der Dachstrategie „Starke Schiene" gelebt und gefördert. Martin Seiler, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Bahn AG, stand uns anlässlich des Tages der Inklusion Rede und Antwort. Wie setzt sich die Deutsche Bahn im Arbeitsalltag für Inklusion ein und was sind die Visionen der DB für die Zukunft?

Was ist Ihre Vision und Ihr Ziel beim Thema Inklusion für das Unternehmen Deutsche Bahn?

Martin Seiler Für die DB ist die gemeinsame Arbeit von Mitarbeitenden mit und ohne Inklusionsbedarf gelebte Selbstverständlichkeit und Teil der gesellschaftlichen Verantwortung. Unser Ziel ist es, diese Kultur der Chancengleichheit, des wertschätzenden und öffnenden Engagements, des Vertrauens und Respekts zu wahren, zu intensivieren und als inklusive Arbeitgeber:in zu überzeugen sowie neue Kolleg:innen mit Inklusionsbedarf willkommen zu heißen.

Welche Herausforderungen stellt das Thema Inklusion für die tägliche Arbeitswelt dar?

Martin Seiler Die Deutsche Bahn verfügt über eine große Bandbreite von über 500 Berufsbildern, die für Menschen mit den unterschiedlichsten physischen und psychischen Fähigkeiten geeignet sind. Auch bei Tätigkeiten, für die aus Sicherheitsgründen besondere körperliche und psychische Anforderungen gelten (z.B. Lokführer:innen, Fahrdienstleiter:innen oder Zugbegleiter:innen) versuchen wir Einsatzmöglichkeiten für alle Menschen zu schaffen, indem wir neue technische Möglichkeiten nutzen, so dass mehr Menschen in Eisenbahn-Berufen diese Sicherheitsanforderungen erfüllen. Wir bemühen uns aktiv um die Einstellung von Menschen mit eingeschränkten physischen und psychischen Fähigkeiten. So wurde im vergangenen Jahr beispielsweise ein Inklusionszentrum in der Personalgewinnung etabliert, in dem geschulte Inklusionsberater:innen die Bewerber:innen mit Inklusionsbedarf beraten, die im Regelprozess eine Absage erhalten haben. Gemeinsam wird auf die individuelle Historie geschaut und alternative Einstiegsmöglichkeiten bei der DB identifiziert. 

Mit Blick auf die Beschäftigung von Menschen mit Inklusionsbedarf, sind wir stolz darauf, seit Jahren konzernweit über der gesetzlichen Pflichtquote von 5% zu liegen. Nichtsdestotrotz beobachten wir im Ergebnis unserer Einstellungsoffensive in den letzten Jahren einen Abwärtstrend, den es aktiv aufzuhalten gilt. Hierzu pflegen wir einen engen und guten Austausch mit den Schwerbehindertenvertretungen sowie den Integrationsämtern und verwirklichen gemeinsam zahlreiche Maßnahmen, um künftigen und bereits jetzt vorhandenen Mitarbeitenden mit Inklusionsbedarf eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen.

Personalmanager verwenden die Begriffe Diversity und Inklusion oft in einem Atemzug wie würden Sie sie voneinander abgrenzen?

Martin Seiler Tatsächlich fehlt im Diskurs oftmals die Trennschäfte der Begrifflichkeiten: Bei der DB wird Diversity als übergreifendes Querschnittsthema bei allen Entscheidungen mitgedacht und ist in unserer Dachstrategie „Starke Schiene“ verankert. Dabei betrachten wir alle klassischen Diversity-Dimensionen: Vielfalt der Geschlechter und geschlechtlichen Identitäten, Generationen, ethnischen und sozialen Herkünfte, Religionen, physischen und psychischen Fähigkeiten sowie sexuellen Orientierungen. Zudem sind für uns die Vielfalt der Perspektiven, Werte, Kompetenzen und Berufserfahrungen von Bedeutung. Dieses erweiterte Diversity-Verständnis haben wir als „Diversity of Minds“ definiert. Inklusion ist für uns Teil dieses Diversity-Verständnisses und der Dimension „physische und psychische Fähigkeiten“ zuzuordnen. Dabei thematisiert der Begriff Inklusion auch ein Handlungsziel: eine Belegschaft zu haben, in die kein Mensch mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen integriert werden muss, weil niemand ausgeschlossen wurde und von Anfang an dabei war.

Vielen Dank für das Gespräch!

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