Hauptstadtdialog.digital mit Jens Südekum

Im Dialog über die wirtschaftlichen Folgen von Corona

Am 6. April fand der DGFP // Hauptstadtdialog.digital mit Jens Südekum statt. Südekum ist Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium. Fragen zu den wirtschaftlichen Folgen, die nach Corona zu erwarten sind, seine Einschätzung zu den wirtschaftlichen Maßnahmen der Politik und zu künftigen Exit-Szenarien standen dabei im Fokus. 

Für Südekum steht fest: Noch ist die Krise nicht vorüber. Man dürfe nicht den Fehler machen, zu früh wieder das wirtschaftliche, und damit einhergehend auch das gesellschaftliche, Leben hochzufahren. Er sieht aber auch, „dass es in diesem aktuellen Lock Down Zustand nicht mehr lange weitergehen kann, ohne dass die Folgen für die Wirtschaft fatal wären“. Aktuell sind fast 50 Prozent der Wirtschaft heruntergefahren. Um diesen Lockdown aufzugfangen, hat die Regierung aus seiner Sicht „alternativlose“ Rettungsmaßnahmen ins Leben gerufen.

„Es sind insgesamt 1,3 Billionen Euro mobilisiert worden, das entspricht ca. 33 Prozent des BIP: Diese Maßnahmen sind um ein Vielfaches höher als damals bei der Bankenkrise“, so Südekum. Diese finanziellen Maßnahmen kommen insbesondere den großen und kleinen Unternehmen zugute. Bedarf zur Nachbesserung sieht Südekum vor allem bei den mittelständischen Unternehmen. „Auch wenn Kredite zu 100 Prozent abgesichert sind, so dass keine Prüfung mehr notwendig ist, stellt sich die Frage, ob die Unternehmen diese zurückzahlen können.“ Südekum sieht hier noch Bedarf, die Maßnahmen zu verbessern, denn „die Unternehmen werden erst langsam wieder Einnahmen verbuchen können, aber der Ausfall wird zu groß sein, als dass Kredite zurückgezahlt werden könnten.“ Darin sieht Südekum ein noch zu lösendes Problem.

Zu möglichen Exit-Strategien hält sich Südekum noch bedeckt. Klar sei, dass jede Woche im Lockdown 1% des BIPs kostet, was aktuell ca. 35 Milliarden Euro entspricht. „Das ist nicht mehr lange durchzuhalten“, so Südekum. Für ihn ist die „Hammer und Tanz-Strategie“ des Bundesinnenministeriums eine gute Möglichkeit, sich auf die Wiederaufnahme der Wirtschaft vorzubereiten. Diese sieht einen stufenweisen Ausstieg aus der Corona-Krise vor. So werden erst die Schulen und Kitas wieder öffnen, im Anschluss daran kleinere Geschäfte, Einzelhandel und vereinzelt gastronomische Einrichtungen. Es müsse aber klar sein, dass weiterhin starke Schutzmaßnahmen – ähnlich wie jetzt schon in den Supermärkten vorgesehen – gelten werden. Was sicher noch in ferner Zukunft liegt, sind Großveranstaltungen, so Südekum.

Insgesamt sieht Südekum für die Wirtschaft in diesem Jahr keine positive Bilanz. „Es werden sicher viele kleinere Betriebe, gerade im Bereich Gastronomie und Hotellerie, nicht überleben. Der Nachholeffekt wird noch dauern und es ist davon auszugehen, dass erst 2021 die Wirtschaft wieder stabil ist“, so seine Prognose. Für ihn steht fest, dass die Exit-Maßnahmen jetzt aufgestellt werden müssen, „denn sonst laufen wir Gefahr, dass die Arbeitslosigkeit stark ansteigt und die wirtschaftlichen Folgen noch härter sein werden, als sie es aktuell schon sind. Gerade der Bereich Tourismus und Gastronomie kann den Lockdown nicht viel länger tragen.“

Und auch Europa sollte die Bundesrepublik dabei nicht aus dem Blick verlieren, rät Südekum. Neben den Auswirkungen für Deutschland sieht Südekum auch die Gefahr für Europa. Viele Zulieferfirmen sind im europäischen Ausland ansässig, so dass man sich ebenfalls über eine europäische Strategie Gedanken machen muss. Einen positiven Effekt gibt es jedoch, denn die bestehenden Lieferketten müssen überdacht werden. „Die Abhängigkeit von spezifischen Vorprodukten, die im Ausland produziert werden, sollten zukünftig mitgedacht werden“, so Südekum. Man müsse aber auch über neue Instrumente nachdenken. „Die Idee der Corona-Bonds – also der einmaligen Ausgabe einer gemeinsamen Anleihe – sind absolut richtig“, sagt Südekum. Alternative Hilfsprogramme wie der Euro-Rettungsschirm würden beim jetzigen Schuldenstand der betroffenen Länder zu kurz greifen. Müssten die Länder es aus eigener Kraft aus der Krise schaffen, könnte der Corona-Krise später eine Eurokrise folgen. Die gesamteuropäische akute Krise erfordert deshalb neue Lösungen.

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