DGFP // Medieninformation: Leiharbeit und Werkverträge: Flexible Arbeitsformen ermöglichen.

In Zeiten des digitalen Wandels ist es mehr denn je entscheidend, auch neue Arbeits- und Beschäftigungsformen anzuerkennen und zu unterstützen.

Düsseldorf / Berlin, 18.12.2015. Mit Blick auf die Debatte zum aktuellen Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zu Leiharbeit und Werkverträgen mahnt die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) zu größerer Praxisnähe und einer Entideologisierung der Diskussion. In Zeiten des digitalen Wandels ist es mehr denn je entscheidend, auch neue Arbeits- und Beschäftigungsformen anzuerkennen und zu unterstützen.

„Wir beobachten zunehmend den Wunsch nach flexibleren Lösungen bei der Zusammenarbeit – und zwar auf Seiten der Unternehmen wie der Arbeitnehmer“, erläutert Katharina Heuer, Geschäftsführerin der DGFP. Der bislang vorliegende Gesetzentwurf werde sowohl der betrieblichen Realität als auch den Vorstellungen vieler Menschen von Arbeit nicht gerecht. „Solo-Selbstständigkeit, Crowdworking und temporäre Projektarbeit sind nicht per se prekäre Arbeitsverhältnisse, die das Ziel haben, Lohn- und Sozialstandards zu unterlaufen. Menschen und Unternehmen entscheiden sich bewusst dafür, um einen größeren Grad an individueller oder unternehmerischer Freiheit zu haben", betont Heuer.

Der Entwurf sieht vor, sowohl die Arbeitnehmerüberlassung als auch die Basis für Werk- bzw. Dienstverträge neu zu regeln. Der Gesetzgeber plant beispielsweise, die Höchstüberlassungsdauer für Zeitarbeiter auf 18 Monate zu begrenzen. Ein aus Sicht der DGFP nicht notwendiger Schritt: Nur 10 bis 15 Prozent der Zeitarbeitsverhältnisse dauern überhaupt länger als eineinhalb Jahre. Oftmals handelt es sich hierbei um hochspezialisierte Experten in Projekten.

Auch die geplanten Verschärfungen beim Einsatz von Werkverträgen gehen in die falsche Richtung: Der vorgelegte Kriterienkatalog, mit dessen Hilfe Werkvertragsverhältnisse von verdeckter Leiharbeit abgegrenzt werden sollen, sei nicht zielführend. Bereits heute lässt es die Rechtslage zu, zwischen Werkverträgen und verdeckter Leiharbeit zu unterscheiden. Die Umkehr der Beweislast zieht einen erhöhten bürokratischen Aufwand nach sich.

Dass es einen effektiven Schutz gegen den Missbrauch von Werkverträgen geben müsse, beispielsweise durch eine Ausweitung von Kontrollen durch den Zoll, sei dabei unbestritten. Dies ist im vorliegenden Gesetzesentwurf vorgesehen und wird von Seiten der DGFP ausdrücklich begrüßt.

Hinsichtlich der weiteren Ressortabstimmungen und der Debatte im Deutschen Bundestag fordert die DGFP die Beteiligten auf, den Gesetzesentwurf deutlich nachzubessern. Die Beschränkung der Höchstüberlassungsdauer und die Umkehr der Beweislast hinsichtlich verdeckter Arbeitnehmerüberlassung sind aus dem Entwurf zu streichen.

Unternehmensseitig fordert die DGFP eine bessere Einbindung des Personalmanagements bei der Vergabe von Zeit- oder Werkverträgen. Zu häufig seien hier nur die Einkaufs- oder Fachabteilungen beteiligt. „Dies führt in der Regel zu einer einseitigen Konzentration auf Kostenaspekte bei der Flexibilisierung von Belegschaften. Hier müssen wir uns als HR-Experten stärker einbringen, um gemeinsam mit den Fachabteilungen die jeweils optimale Lösung für Unternehmen und Mitarbeiter zu finden. Nur aus einer übergreifend personalstrategischen Sicht lässt sich entscheiden, welche Leistungen durch die Kernbelegschaft und welche durch Dritte erbracht werden können und sollten“, erläutert Katharina Heuer.

Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) wurde 1952 gegründet und ist die führende Fachorganisation für Personalmanagement und Personalführung in Deutschland. Zu den Mitgliedern zählen zahlreiche DAX-Konzerne ebenso wie kleine und mittelständische Unternehmen sowie renommierte Wissenschafts- und Beratungsorganisationen. Damit bietet die DGFP ein einzigartiges Kompetenznetzwerk für zukunftsorientiertes Personalmanagement in Deutschland. Mit einer eigenen Akademie und richtungsweisenden Austauschveranstaltungen, Tagungen und Kongressen ist sie zugleich der führende Dialog- und Professionalisierungspartner für Unternehmen zu Themen rund um Personalmanagement und Personalführung.

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