DGFP // Standpunkt: "Hürden abbauen: Die Integration Geflüchteter in den betrieblichen Alltag erleichtern!"

Mit unserem Standpunktpapier weisen wir auf Handlungsbedarf bei der Integration von Geflüchteten in Unternehmen hin. In insgesamt fünf Bereichen identifizieren wir gemeinsam mit Personalern aus dem DGFP-Netzwerk Verbesserungsmöglichkeiten.

Den vollständigen DGFP // Standpunkt "Hürden abbauen: Die Integration Geflüchteter in den betrieblichen Alltag erleichtern!" (Stand 7. Juli 2017) finden Sie hier!

Die passenden Rahmenbedingungen für die Integration

Geflüchtete Menschen in Arbeit zu bringen, ist eine der wichtigsten und vorrangigsten Integrationsaufgaben. Erwerbstätigkeit ist wesentlich für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in diesem Land. Sie ist sinnstiftend, vermittelt das Gefühl der Anerkennung und schafft eine ökonomische Basis für die Menschen.

So einfach diese Erkenntnis ist, so schwierig ist die Umsetzung. Die Integration in den Arbeitsmarkt und in den betrieblichen Alltag ist kein Kurzstreckenlauf, sie ist vielmehr ein Marathonlauf mit Hürden. Und dennoch ist sie unabdingbar.

Die Integration gelingt dann am besten, wenn alle Akteure – staatliche, öffentliche und private – ohne Reibungsverluste zusammenarbeiten. Und sie ist erfolgreich, wenn die Rahmenbedingungen einer Integration in den betrieblichen Alltag nicht entgegenstehen, sondern die Unternehmen darin unterstützen, passgenaue Lösungen für ihre individuellen Anforderungen umzusetzen.

Viele Verbesserungen, immer noch zahlreiche Hürden

Der Gesetzgeber hat in den vergangenen beiden Jahren wie in kaum einem anderen Politikfeld Mut bewiesen und mit großer Entschlossenheit diese Rahmenbedingungen erheblich verbessert. Die teilweise Aussetzung der Vorrangprüfung, die Verabschiedung der 3+2-Regelung oder die massive Aufstockung des Personals im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zeugen von dem politischen Willen, die Integration für Unternehmen und Geflüchtete zu erleichtern. Dies zeigt sich auch in den vielen positiven Erfahrungsberichten der Unternehmen.

Wir, die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP), beobachten jedoch auch große regionale Unterschiede: Was bei dem einen funktioniert, führt bei dem anderen zu erheblichen Problemen. Entsprechend differenziert ist die Beurteilung der Zusammenarbeit der Akteure, der Passgenauigkeit der Instrumente oder der Unterstützungsangebote. Fest steht: Eine flächendeckende, erfolgreiche Integration in den betrieblichen Alltag stößt noch immer auf kleinere und größere gesetzliche wie verwaltungsrechtliche Barrieren.

Für eine erleichterte Integration in den betrieblichen Alltag

Gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen haben wir die Erfahrungen aus dem betrieblichen Alltag in dem DGFP // Standpunkt: „Hürden abbauen: Die Integration Geflüchteter in den betrieblichen Alltag erleichtern!“ zusammengefasst und leiten daraus konkrete Forderungen ab (den umfassenden Standpunkt finden Sie hier).

Zusammen rufen wir die Politik, die Verwaltung, die Kammern und alle anderen involvierten Stellen dazu auf, die Integration Geflüchteter in den betrieblichen Alltag weiter zu erleichtern und die beschlossenen Vereinbarungen, wie die 3+2-Regelung, verlässlich umzusetzen.

Handlungsdruck besteht aus unserer Sicht vor allem in folgenden Punkten:

1. Vorrangprüfung vollständig abschaffen und Prüfung auf gleichwertige Arbeitsbedingungen beschleunigen!

Wir fordern die flächendeckende Abschaffung der Vorrangprüfung – auch über die Aussetzung von drei Jahren hinaus – und die Beschleunigung der Prüfung auf gleichwertige Arbeitsbedingungen.

2. Hürden für Geflüchtete beim Zugang zur Zeitarbeit endgültig beseitigen!

Es ist Zeit, die noch bestehenden Hürden für Geflüchtete beim Zugang zur Zeitarbeit endgültig und bundesweit zu beseitigen. Die Zeitarbeit ist eine etablierte Form der Beschäftigung, auch für Geflüchtete.

3. Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern, Entscheidungskriterien harmonisieren!

Für einen erleichterten Zugang für Geflüchtete zum Arbeitsmarkt ist auf die Prüfung durch die Ausländerbehörden zu verzichten. Mindestens aber sind die Entscheidungskriterien transparent zu machen und bundesweit und über die Beschäftigungsarten (Praktikum, Einstiegsqualifizierung, Ausbildung, reguläres Arbeitsverhältnis) hinweg zu harmonisieren.

4. Abschiebung während einer Qualifizierungsmaßnahme aussetzen!

Wir fordern die Erweiterung der 3+2-Regelung auf die Einstiegsqualifizierung (EQ) und gleichgestellte Programme. Denn: Anders als bei der dualen Ausbildung greift der Abschiebeschutz (3+2-Regelung) während einer Qualifizierungsmaßnahme nicht.

5. Abschiebeschutz mit Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags wirksam machen!

Der Schutz vor Abschiebung muss bundesweit mit Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags bzw. nach dessen Prüfung wirksam werden, nicht erst kurz vor Antritt der Ausbildung. Nur so kann es Planungssicherheit für alle Beteiligten geben.

6. Regelungen über die Bundesländer hinweg vereinheitlichen!

Bei der Erteilung der Ausbildungsduldung nutzen die Bundesländer ihren großen Ermessensspielraum. Wir fordern die Ministerpräsidenten und Innenminister der Bundesländer auf, die Regelung einheitlich und weniger restriktiv auszulegen und die Ausbildungsduldung auch auf die Gruppe der subsidiär Geschützten auszudehnen.

7. Schnellen Zugang zu Sprach- und Integrationskursen sicherstellen!

Wir fordern die Zahl der Sprach- und Integrationskurse flächendeckend weiter zu erhöhen bzw. die Zuteilung zu verbessern, um schnelleren Zugang zum Spracherwerb zu ermöglichen. Trotz der erheblichen Anstrengungen der Bundesregierung ist die Zahl der angebotenen Sprach- und Integrationskurse in vielen Regionen immer noch nicht ausreichend, die Wartezeiten sind zu lang.

8. Qualität der Sprachkurse anheben und vereinheitlichen!

Viele Personaler und Ausbilder kritisieren die Qualität der angebotenen Kurse. Abhängig vom jeweiligen Träger sind die Ergebnisse, sprich die Sprachkompetenzen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende des Kurses, unterschiedlich. Die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der Zertifikate sinken damit. Wir fordern daher einheitliche Standards für Sprachkurse und die Überprüfung ihrer Einhaltung. Wesentlich für die Qualität sind auch die Zahl der Teilnehmenden pro Kurs und eine Differenzierung nach ihrer Lernfähigkeit und ihren Vorkenntnissen. Über eine bessere Zuteilung lässt sich die Qualität der Ergebnisse ebenfalls steigern.

9. Fördermöglichkeiten für den Spracherwerb ausdehnen!

Personaler berichten davon, dass Subventionsoptionen für Sprachkurse gestrichen werden, sobald der Betroffene eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hat. Dies führt dazu, dass sich Geflüchtete zwischen Arbeit oder gefördertem Spracherwerb entscheiden müssen. Wir fordern alle Beteiligten auf, die Förderpolitik zu überprüfen und im Zweifel immer für eine Kombination aus Spracherwerb und beruflicher Integration zu entscheiden.

10. Kurse zum berufsbezogenen Spracherwerb flexibilisieren und spezialisieren

Berufsbezogener Spracherwerb braucht vor allem flexible Angebote hinsichtlich der Zeit (Teilzeitangebote, tageweise Angebote, Wochenendangebote), die eine parallele Integration in den betrieblichen Alltag ermöglichen. Hier müssen die Träger gemeinsam mit den Unternehmen nach neuen Lösungen suchen. Um die Qualität der Kurse zum berufsbezogenen Spracherwerb während der Ausbildung zu erhöhen, schlagen wir vor, deutlich speziellere und auf bestimmte Zielgruppen (Branchen, Vorkenntnisse etc.) angepasste Kurse anzubieten.

11. Sprachkursangebote und deren Förderungsmöglichkeiten transparent machen!

Wir fordern, die Sprachkursangebote und deren zum Teil sehr unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten transparenter zu machen. Die vorhandenen Datenbanken müssen bekannter werden.

12. Information über den „Arbeitsalltag“ in Deutschland verbessern!

Geflüchtete müssen frühzeitig über den „Arbeitsalltag“ in Deutschland informiert werden. Dazu sollte in den Integrationskursen der Fokus stärker auf Aspekte wie Beschäftigungsmöglichkeiten, Bewerbungsprozess und soziale Kompetenzen im Arbeitsalltag gelegt werden.

13. Bewusstsein für Aus- und Weiterbildung fördern und Beratung intensivieren!

Die Vorstellungen Geflüchteter über Berufsbilder in Deutschland sind oft vage und Berufswünsche wenig gefestigt. Der Wert einer dualen Ausbildung ist nicht immer bekannt. Wir fordern von allen Beteiligten, das Bewusstsein für Aus- und Weiterbildung zu fördern und die Beratung dahingehend zu intensivieren.

14. Kompetenzfeststellungsverfahren frühzeitig durchführen und ausbauen!

Wir begrüßen das Vorhaben der BA, bei Geflüchteten Kompetenzfeststellungsverfahren frühzeitig durchzuführen und um weitere Berufe auszubauen. Sie bieten für die Unternehmen eine erste Einordnung der Kompetenzen von Bewerbern, ersetzen jedoch nicht die Praxisphase im Betrieb.

15. Geflüchtete Frauen zielgerichteter ansprechen!

Mit Blick auf die große Zahl von weiblichen Antragstellerinnen müssen die Angebote speziell für Frauen ausgebaut werden. Weibliche Geflüchtete müssen besser über die Möglichkeiten zu Sprachförderung, Arbeitsmarkteinstieg und Kinderbetreuung informiert werden. Kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede und Konflikte dürfen dabei nicht ausgeblendet werden.

16. Soziale Sicherheit der Geflüchteten verbessern!

Für eine Qualifizierung oder Ausbildung brauchen die Menschen ein richtiges Zuhause. An dieser Stelle sind vor allem die Kommunen gefragt, bei der Suche nach und Vermittlung von Wohnraum zu unterstützen. Integration in den Betrieb kann nur funktionieren, wenn auch die Herausforderungen im Alltag gemeistert werden.

17. Arbeitsmarktpolitische Instrumente für Flüchtlinge überprüfen und anpassen!

Notwendig ist die Anpassung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente auf die spezifischen Besonderheiten der Gruppe der Geflüchteten: flexiblere, längere Laufzeiten, Anhebung der Altersgrenzen, spezifische Klassen für die EQs an den Berufsschulen mit Schwerpunktunterricht Deutsch als Zweitsprache und Defiziten in allgemeinen Fächern wie Mathematik.

18. Betrieblich organisierte modulare Qualifizierungen anerkennen!

Nicht alle Geflüchtete können nach Beendigung einer EQ-Maßnahme oder eines Praktikums in eine Ausbildung übernommen werden. Größere Betriebe könnten für diesen Fall modulare Berufsbildungsangebote konzipieren. Wir fordern für die zuständigen Stellen der Länder mehr Flexibilität, um Ausbildungsmaßnahmen dieser Art im Sinne des Berufsbildungsgesetzes anzuerkennen und den Unternehmen und Geflüchteten diesen Weg der Berufsausbildung zu ermöglichen.

19. Förderung von Integrationsmaßnahmen ausbauen!

Als hilfreich im Integrationsprozess erweisen sich Lotsenprogramme, die zwischen Unter-nehmen, Geflüchteten und Behörden die nötigen Brücken bauen. Vor allem unerfahrene Unternehmen profitieren von dem Wissen der Lotsen und bekommen die Hilfestellung, die ihnen die Arbeit zu Beginn erleichtert. Wir fordern daher unter anderem eine Fortsetzung und den Ausbau des Förderprogramms Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen (IvAF).

20. Unterschiedliche Wege der betrieblichen Integration fördern!

Unternehmen bieten Geflüchteten unterschiedliche Wege der Integration: über Praktika, Einstiegsqualifizierungen, Ausbildungen oder die direkte Anstellung. Die vermittelnden Stellen wie die Arbeitsagenturen sollten alle Möglichkeiten der betrieblichen Integration im Blick haben und nicht nur auf einzelne fokussieren bzw. diese präferieren.

21. Unternehmen bei innerbetrieblichen Angeboten finanziell unterstützen!

Wir fordern eine finanzielle Förderung von individuell organisierten Kursen, die nicht nur den Spracherwerb zum Ziel haben, sondern die Geflüchteten beispielsweise auch in naturwissenschaftlichen Fächern oder in Mathematik unterstützen. Auch sind solche Unternehmen zu unterstützen, die Integrationsmodelle im Betrieb insbesondere für Geflüchtete mit abgeschlossenen und anerkannten Abschlüssen anbieten, beispielsweise im Rahmen von Traineeprogrammen.

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