//nachgefragt: 3 Fragen an //congress-Referent Prof. Dr. Wilhelm Bauer

In der Reihe //nachgefragt verraten die Referenten des DGFP // congresses vorab erste Prognosen zur (weiteren) Auswirkung der Digitalisierung auf Wirtschaft, Arbeit und HR. Das dritte Interview liefert Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Institutsleiter (kommissarisch), Fraunhofer IAO und IAT Universität Stuttgart. Sein Programmpunkt beim //congress: Level 4 "Digital Workplace - Digital Workforce".

// Wie werden sich Geschäftsmodelle und Wertschöpfungskette verändern?

Das Internet und die immer stärkere Vernetzung und Nutzung von Daten ist die Basis für neue Geschäftsmodelle, die teilweise revolutionär andere Prinzipien aufweisen und für Unternehmen eine zunehmend digitale vernetzte Wertschöpfung ermöglichen. Produkte, Dienstleistungen, Software und andere Services werden verstärkt »on-demand« und im »pay-per-use«-Modus genutzt. Schon ist vom Ende der Marktwirtschaft die Rede: In der »Sharing Economy« nutzen die Menschen Produkte und Dienstleistungen gemeinsam, die Grenzkosten gehen gegen null.

// Wie wird die digitale Arbeitswelt aussehen?

Die Digitalisierung hat nicht nur einen sehr wesentlichen Einfluss auf das private Leben der Menschen, sondern in ganz besonderer Weise auch auf das Arbeitsleben: Digitale Workflows und computergestützte Büro- und Wissensarbeit haben sich bereits seit Einführung des PCs etabliert. Die weiter zunehmende Digitalisierung der Geschäftsprozesse ist wesentlicher Treiber und Enabler einer immer weiter globalisierten und vernetzten Wertschöpfung. Dies führt in der Folge zu weitgehend digitalisierten Arbeitskonzepten und -prozessen. Vor allem für das Zusammenarbeiten, unabhängig von Raum und Zeit, bietet das Netz erhebliche Potenziale. Durch Cloud-Computing können Menschen von überall auf Datenbanken, Postfächer und Projektmanagement-Tools zugreifen. Die Idee vom »papierlosen Büro« wird zunehmend Wirklichkeit.

// Welche Rolle sollte HR in dieser veränderten Wirtschaft und Arbeitswelt spielen?

Arbeitszeiten können zunehmend flexibler gestaltet werden. Modelle unterschiedlicher Arbeitszeitkonten, die in Anwesenheits-, Heimarbeits- und Bereitschaftszeiten funktionieren, können die Interessen von Unternehmen und Beschäftigten zusammenzubringen. Wo Präsenzkultur unnötig bzw. nicht sachdienlich ist und wo Selbstorganisation sinnvoll und angebracht ist, kann Ergebnisorientierung ein hilfreiches Gestaltungselement sein. Für Führungskräfte erwachsen neue und  besondere Herausforderung in einer flexibleren und mobileren Arbeitswelt. Führung muss sich organisieren, es reicht nicht mehr „da zu sein und spontan zu agieren“. Sie müssen mit den Mitarbeitern Führungstermine vereinbaren, Anlässen für Begegnungen im Team schaffen, per Telekommunikation sich austauschen. Und sie müssen im Verhalten Vorbild geben, zum Beispiel in der Frage, wann man E-Mails schreibt und wann auch nicht.

 

Prof. Dr. Wilhelm Bauer

Seit 1983 arbeitet Prof. Dr. Bauer am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation u.a. als Leiter der Abteilung Arbeitsgestaltung, Leiter des Competence Centers „New Work“ und Leiter des Geschäftsfelds „Unternehmensentwicklung und Arbeitsgestaltung“. 2013 wurde er Kommissarischer Leiter des Instituts. Das Fraunhofer-Institut IAO ist ein international angesehenes Forschungsinstitut, das angewandte Forschungsprojekte u.a. für Daimler, die Deutsche Bank und Microsoft durchführt.

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