Personalentwicklung treibt um

Quo vadis Personalentwicklung? - diese Frage treibt nicht nur Anja Forstenhäusler aus dem YPN um. Ihre These: Ebenso wie sich das Lernen in den letzten Jahren verändert hat und noch verändern wird, werden sich auch die Tätigkeiten der Personalentwicklung verändern. In diesem Beitrag fasst sie ihre Sicht auf den aktuellen Zwischenstand der Transformation der PE zusammen.

Ein Beitrag von Anja Forstenhäusler

 

Bereits in meiner früheren Funktion bei der DGFP trieben mich die Themen, wie wird sich Lernen und damit verbunden auch die Tätigkeiten, die Funktion und Methoden der Personalentwicklung verändern, um. So bin ich u.a. bei Erfa-Treffen und Jahrestagungen mit Fachexperten und der PE-Community immer wieder in unterschiedlichen Facetten dem Thema auf die Spur gegangen (13. / 14. DGFP // Jahrestagung Personalentwicklung). Auch ein Diskussionsimpuls in der PersonalFührung ist zu dieser Zeit entstanden.

Nun gestalte ich bei einem mittelständisch geprägten und familiengeführten Unternehmen die Personalentwicklung und bin dort u.a. für die Nachwuchskräfte- und Führungskräfteentwicklung verantwortlich sowie bei der Etablierung individuellerer Lernformate maßgeblich beteiligt. Auch wir brechen das Verständnis von Personalentwicklung – kommend aus der klassischen Weiterbildung – weiter auf und positionieren uns mehr und mehr als strategischer Partner für Personal- und Organisationsprozesse.

Um in diesem Innenblick den Blick für das Außen nicht zu verlieren, bin ich weiterhin im Austausch mit der PE-Community und aktuellen Trendthemen des Fachbereichs. In diesem Zuge war ich 2018 auch bei einer Workshop-Reihe unter der Regie von Prof. Dr. Speidel, Hochschule Landshut, beteiligt.

In insgesamt drei eintägigen Workshops wurden folgende Fragestellungen bearbeitet: Was charakterisiert Arbeit 4.0? Welche Handlungsfelder ergeben sich daraus für eine künftige Ausrichtung und Aufstellung der Personalentwicklung? Wie kann die Personalentwicklung ihre beiden wesentlichen Rollen als Lern- und Führungskräftebegleiterin in einer Arbeitswelt 4.0 gestalten? Die Ergebnisse aus den Workshops werden aktuell zu einem DGFP-Praxispapier zusammengetragen, mit dem Ziel Personalentwicklern/innen Impulse für ihre künftige Ausrichtung zu geben.

 

Was nehme ich persönlich aus diesen Workshops nochmal Neues mit?

1. Immer mehr Personalentwickler/innen denken aktiv über ihre Rolle und Aufgaben im Unternehmen nach und positionieren sich. Unterschiedlichste Entwicklungen sind beobachtbar. Im Buch Arbeit 4.0. von Simon Werther sind beispielsweise vier Szenarien auf den Punkt gebracht.

2. Die Themenvielfalt fühlt sich für mich als „Neuling der Szene“ neu/revolutionär an, Kollegen mit einer längeren Berufserfahrung erleben manche Diskussionen wie guter alter Wein in neuen Schläuchen. Das kann in zwei Richtungen gehen: Resignation oder aktives Mitgestalten?

3. Inwiefern es alter Wein in neuen Schläuchen ist, darüber kann ich mir noch kein abschließendes Urteil bilden – aktuell habe ich den Eindruck, die Dynamik und die Notwendigkeit ist eine andere und auch wenn die Begrifflichkeiten gleichgeblieben sind, haben sie heute andere Dimensionen und damit auch eine andere Bedeutung. So haben sich beispielsweise die technischen Möglichkeiten radikal verändert (z.B. Möglichkeiten des KI-Einsatz). Wenn wir über das Eine sprechen, sprechen wir heute teilweise über etwas ganz Anders.

4. Viele Trendthemen in Richtung Digitalisierung und Individualisierung sind in vorhandenen Strukturen von Unternehmen noch erschwert umsetzbar – teilweise fehlt es an IT-Infrastrukturen und IT-Kompetenzen sowie Mindset und Standing bzw. Verantwortlichkeiten für Transformationsprozesse.

 

Was mir bei diesen Gesprächen und Diskussionen immer wieder klar wird – ich bin Fan von einem starken Personalmanagement und konkret von einer starken, selbstbewussten und damit auch strategischen und gestaltungsorientierten Personalentwicklung, die nicht nur das Ohr auf den Schienen hat, sondern – um in dem Bild zu bleiben – schon bei der Planung der Bahnlinien am Tisch sitzt. PE braucht ein starkes Netzwerk in das Unternehmen hinein, das Ohr nah an der Belegschaft und dem Business-Need des Unternehmens. So entstand auch folgende Aussage aus 2017 zu der Frage warum ich HRler geworden bin: "…da es Mutige braucht, die für die Themen brennen, Hürden kreativ überwinden lernen und immer wieder aufstehen und begeistern können. HR mit der Kombi Business und People für die Gegenwart und Zukunft stärken, ist mein Ziel." 

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