PERSONALFÜHRUNG // Fachbeiträge Impulse für die Personalarbeit: Gemeinsam.topfit

Die Digitalisierung der Arbeitswelt und die dezentralen Strukturen der REWE Group gaben Anlass, über die Einführung einer digitalen Plattform zur Förderung der Gesundheitskompetenz nachzudenken. Der Handels- und Touristikkonzern beschäftigt in Deutschland über 250 000 Mitarbeiter an über 10 000 Betriebsstätten. Nach intensiver Planung wurde der Gedanke zur Digitalisierung der Gesundheitsförderung mit dem Projekt „Gemeinsam.topfit“ umgesetzt. Ende 2018 fiel der Startschuss des von der DAK-Gesundheit unterstützten und von Topfit Service Deutschland, als Tochterfirma der REWE Group, umgesetzten Gesundheitsprojekts für den gesamten Konzern.

Die dezentralen Strukturen sowie die vielfältigen Tätigkeitsfelder stellten bisher eine große Herausforderung dar, individuelle und zielgruppenspezifische Konzepte im Betrieblichen Gesundheitsmanagement zu realisieren. Die Digitalisierung ermöglicht eine „tragbare Gesundheitsförderung“, die das Bewusstsein von gesundheitlichen Verhaltensweisen verändert (WHO 2014). Durch die Ergänzung von analogen Maßnahmen durch digitale Instrumente entstehen neue Möglichkeiten, die individuelle Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter zu stärken und das Thema Gesundheit in der Unternehmenskultur zu verankern. Ziel des Projekts „Gemeinsam.topfit“ ist es, allen Mitarbeitern innerhalb der REWE Group einen Zugang zu individueller Gesundheitsförderung, unabhängig von Zeit und Ort, zu bieten. Die zentralen Bausteine des Projekts stellen eine App (auch als Webversion verfügbar) sowie die persönliche Ausbildung von Multiplikatoren („Macher“) als Gesundheitsbotschafter innerhalb des Unternehmens dar. 

Die Gemeinsam.topfit-App 

Als in der REWE Group exklusives Onlineportal bringt Gemeinsam.topfit Gesundheitswissen in digitaler Form zu den Beschäftigten. Die Gemeinsam.topfit-App ist online auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets abrufbar. Des Weiteren ist sie als Webversion auch auf dem Laptop beziehungsweise PC verfügbar. Der Zugang erfolgt über einen Webcode, der postalisch an die Mitarbeiter versendet oder im Rahmen von Gesundheitstagen persönlich verteilt wird. Die Eingabe der persönlichen Daten obliegt der Übertragungswilligkeit des Mitarbeiters und ist freiwillig. Je spezifischer Angaben zur eigenen Person und gesundheitlichen Interessen eingetragen werden, umso exakter werden die Portalinhalte auf die Nutzer abgestimmt. Rückschlüsse auf persönliche Angaben oder das Nutzerverhalten einzelner Mitarbeiter sind weder für das Projektteam noch für den Arbeitgeber möglich.

Die Applikation bietet eine schnelle und einfache zeit- beziehungsweise ortsunabhängige Verfügbarkeit von Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen. Diese gliedern sich in die Bereiche Bewegung, Ernährung, Entspannung sowie tätigkeitsspezifische Inhalte (JOB-Info). 

Im Bereich Bewegung stehen angeleitete Übungsvideos zur Verbesserung der körperlichen Fitness und Gesundheit sowie Übungen zur Behandlung bestimmter Beschwerdebilder (z. B. Rückenschmerzen) zur Verfügung. Die Dauer und Intensität der Übungen sind variabel gestaltet, sodass eine Wahlmöglichkeit zwischen unterschiedlichen Schwierigkeits- und Anforderungsstufen besteht. 

Die Rubrik Ernährung beinhaltet wissenswerte Informationen zu einer gesunden Ernährung in Text- und Videoformat. Des Weiteren erhalten die Nutzer wertvolle praxisnahe Tipps, eine gesündere Ernährung in den Arbeitsalltag zu integrieren. 

Der Bereich Entspannung enthält angeleitete Audio- und Videodateien zu einer Vielzahl an Entspannungs- und Stressbewältigungsverfahren (z. B. Meditationen, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Augenentspannung etc.). So lernen die Nutzer, gelassen mit persönlichen Stresssituationen umzugehen und einen Ausgleich im Alltag zu schaffen. 

Vor dem Hintergrund der Zielgruppenerreichung nimmt der tätigkeitsspezifische Bereich JOB-Info eine besondere Rolle im Gemeinsam.topfit-Projekt ein. In dieser Rubrik erhalten die Mitarbeiter gesundheitsförderliche Informationen, die auf individuelle Herausforderungen bei ihrer Arbeitsaufgabe abgestimmt sind. Hier stehen den Mitarbeitern im REWE Markt beispielsweise hilfreiche Lehrvideos zum rückenfreundlichen Heben und Tragen von schweren Gegenständen zur Verfügung. Kollegen der Touristik hingegen erhalten Tipps zum ergonomischen Arbeiten am Schreibtisch. Dadurch gelingt es, am individuellen Bedarf anzusetzen und Herausforderungen am Arbeitsplatz zu bewältigen. 

Im „Fit.Blog“ stehen spannende Blogartikel und Kurzvideos in den Bereichen Bewegung, „Mental.Fit“, Ernährung und JOB-Info zur Verfügung. Angepasst an die jeweilige Jahreszeit, erhalten User wertvolle Gesundheitstipps und Informationen zu aktuellen Themen. Das Repertoire an Themenbereichen wird laufend erweitert.

Eine attraktive Möglichkeit, Pausen im Arbeitsalltag sinnvoll zu nutzen, stellt die Umsetzung muskulärer Ausgleichs- oder Atemübungen dar. In der Rubrik „Meine Auszeit“ vermitteln kurze Lehrvideos einfache Übungen, die leicht und schnell im Arbeitsalltag durchgeführt werden können. Dadurch gelingt es, einen Ausgleich zur körperlichen Haltung am Arbeitsplatz zu schaffen und die geistige Leistungsfähigkeit zu erhöhen. 

VIRTUELLE WETTBEWERBE MOTIVIEREN MITARBEITER

Um die Motivation der Mitarbeiter und die Nachhaltigkeit des Projektes zu steigern, werden im Gemeinsam.topfit-Portal sogenannte Challenges initiiert. In spielerisch gestalteten virtuellen Wettbewerben haben die Portalnutzer die Möglichkeit, in Teams oder als Einzelperson gegeneinander anzutreten. So motivierte beispielsweise eine Fahrradchallenge dazu, den Weg zur Arbeit gesundheits- und umweltfreundlich mit dem Rad zurückzulegen. Durch die Eingabe der zurückgelegten Anzahl an Kilometern entsteht ein Wettbewerbscharakter, der die Nutzer motiviert. Zusätzlich werden Verbesserungen des Teamgeists sowie der Unternehmensidentifikation ermöglicht. Für den besonderen Ansporn werden unter den Teilnehmern einer Challenge attraktive Preise passend zum Thema verlost. Neben Challenges gibt es im Gemeinsam.topfit-Portal auch nationale Screeningaktionen, zum Beispiel zum Thema Darmkrebsvorsorge. Mitarbeiter können über einen Onlinefragebogen ihr persönliches Risiko ermitteln lassen und sich anschließend ein immunologisches Testpaket nach Hause schicken lassen. 

Die Mitarbeiter können also aus einer Vielfalt an Themenbereichen auswählen und ihre Gesundheitskompetenz in den unterschiedlichen Handlungsfeldern verbessern. Eine einfache und ansprechende Gestaltung der Appinhalte trägt dazu bei, die gelernten Inhalte im Alltag umzusetzen. Digitale Instrumente im BGM ermöglichen Unternehmen, die Verbindung von privater und beruflicher Gesundheitsförderung der Arbeitnehmer zu gewährleisten (Kaiser / Matusiewicz 2017, 2). Gesundheitsbezogene Angebote und Regelungen innerhalb der REWE Group, wie Sabbatical oder Pflegeauszeit, sind in der App ebenfalls integriert. Zudem sind vielfältige Angebote des Gesundheitspartners DAK-Gesundheit aufgeführt. Somit wird der Bekanntheits- und Nutzungsgrad bereits bestehender Maßnahmen erhöht und eine Verknüpfung aller internen gesundheitsfördernden Programme geschaffen. 

Ausbildung von „Machern“ als Botschafter 

Zusätzlich werden im Rahmen des Projekts Gemeinsam.topfit Multiplikatoren („Macher“) als Botschafter für gesundes Arbeiten geschult. Dabei handelt es sich um freiwillige Kollegen, die eine kostenlose Macher-Schulung zu gesundheitsrelevanten Themen und der Nutzung der Gemeinsam.topfit-App erhalten. Sie kommunizieren das Projekt innerhalb der REWE Group und haben die Möglichkeit, als Ansprechpartner für Kollegen zu gesundheitsbezogenen Themen am Arbeitsplatz zur Verfügung zu stehen. In der Gemeinsam.topfit-App besteht ein eigener Bereich beziehungsweise eine Chatfunktion für Macher, sodass die Kommunikation und ein Erfahrungsaustausch untereinander möglich sind.

Rollout und interne Kommunikation des Projekts

Im ersten Quartal 2019 erhielten nach und nach alle Mitarbeiter der REWE Group Zugang zum Onlineportal. Bereits im Oktober 2018 durften die ersten Pilotgruppen – Kollegen, die am Köln-Marathon teilnahmen, sowie Mitarbeiter aus der Touristiksparte – das Portal auf Herz und Nieren testen. Ziel des Pilotrollouts war es, fundiertes Feedback von gesundheitsaffinen Portalnutzern zu erhalten und Optimierungspotenziale aufzudecken. 

TESTLAUF STÖSST AUF HOHE RESONANZ

Der Testlauf verlief äußerst erfolgreich: Rund 45 Prozent der Personen, die einen Portalzugang erhalten haben, meldeten sich an und besuchten das Portal mehrfach in den ersten Wochen. Im Rahmen eines Gesundheitstags folgte im Januar 2019 der Rollout für die Mitarbeiter der Verwaltung an den REWE-Group-Zentralstandorten in Köln. Dabei konnten über 4 000 Zugänge zum Portal vergeben und die Beschäftigten für Entspannungsübungen, Biofeedback-Messung und Vorträge zur Work-Life-Balance begeistert werden. Im Februar 2019 erhielten die Touristiker in Frankfurt über ein ähnliches Eventformat einen Zugang zum Portal. Schon im Anschluss auf diese erste Rolloutphase gab es auf Anhieb über 100 Anmeldungen für den eineinhalbtägigen Macher-Ausbildungsgang im März. Somit zeigte sich ein großes Interesse an dem neuen BGM-Projekt. Seit März 2019 ermöglicht der Gesamtrollout jedem REWE-Group-Beschäftigten, von dem BGM-Projekt zu profitieren. Je nach Geschäftseinheit erhalten die Mitarbeiter die Zugangscodes auf unterschiedliche Weise, beispielsweise als Gehaltsbeileger oder per Paketversand an die jeweilige Führungskraft. 

Die Anzahl der Mitarbeiter, die das Portal nutzen und sich zu Gesundheitsthemen weiterbilden, steigt fortlaufend an. Aufgrund der vielen Standorte und verschiedenen Strukturen in den Supermärkten, Baumärkten und Reisebüros besteht eine Herausforderung darin, den Bekanntheitsgrad des Projekts und die Motivation der Beschäftigten zu steigern. Das Projektteam setzt besonders auf vorhandene Kommunikationswege, zum Beispiel über Führungskräfte und Betriebsräte. Um alle Beschäftigten zu erreichen, ist es bedeutend, dass jeder das Portal per App von zu Hause aus nutzen kann. 

Für die Zukunft zielt das Gemeinsam.topfit-Projekt auf positive Ergebnisse für Beschäftigte und den REWE-Group-Konzern ab. Durch die praxisnahe Wissensvermittlung profitieren Mitarbeiter von einer Steigerung der persönlichen Gesundheitskompetenz sowie der Verbesserung der individuellen körperlichen und psychischen Gesundheit. Auf Unternehmensseite stehen Ergebnisfaktoren wie eine Verbesserung des Arbeitsklimas und der Zufriedenheit der Mitarbeiter, eine höhere Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität sowie die Schaffung einer gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur in Aussicht. Die Verknüpfung persönlicher und digitaler Komponenten im BGM ist ein effizienter und nachhaltiger Ansatz, die Herausforderungen der Vergangenheit (z. B. dezentrale Strukturen und vielfältige Tätigkeitsfelder) zu überwinden und Mitarbeiter bei der Förderung ihrer persönlichen Gesundheit zu unterstützen. ●
 

Literatur
Matusiewicz, D. / Kaiser, L. (2018): Digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement, Wiesbaden
Sørensen, K. et al. (2015): Health literacy in Europe. Comparative results of the European health literacy survey (HLS-EU), in: European Journal of Public Health

 

Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2014): mHealth – New horizons for health through mobile technologies, in: Global Observatory for eHealth series, 3

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