YPN im Portrait: Florian Keppeler, Doktorand, „Steigerung der Arbeitgeberattraktivität kommunaler Unternehmen“

Florian Keppeler beschäftigt sich mit der Frage, wie der öffentliche Sektor mit Personalfragen umgeht. Insbesondere die Arbeitgeberattraktivität kommunaler Unternehmen liegen in seinem Interesse. Heute berichtet er von einem Forschungsprojekt, das Grundlage seiner Dissertation darstellen wird.

„Der de­mo­gra­phi­sche Wan­del stellt die öf­fent­li­chen Un­ter­neh­men in be­son­de­rer Weise vor gra­vie­ren­de Her­aus­for­de­run­gen: Der öf­fent­li­che Sek­tor ist gleich­zei­tig mit einem de­mo­gra­phi­schen Pro­blem (bis zu 50% des Per­so­nals sind 50 Jahre und älter) und mit einem At­trak­ti­vi­täts­pro­blem für Nach­wuchs­kräf­te kon­fron­tiert. Öf­fent­li­che Un­ter­neh­men müs­sen sich einem Wett­be­werb ge­ra­de um den hoch­qua­li­fi­zier­ten Fach- und Füh­rungs­kräf­te­nach­wuchs stel­len. Wie sie sich in die­sem Wett­be­werb ins­be­son­de­re ge­gen­über der pri­va­ten Kon­kur­renz und der Kern­ver­wal­tung be­haup­ten, hat auch Aus­wir­kun­gen dar­auf, wie gut sie ihren öf­fent­li­chen Auf­trag im In­ter­es­se des Ge­mein­wohls er­fül­len kön­nen - eine re­le­van­te Frage für die öf­fent­li­che Da­seins­vor­sor­ge. In der wis­sen­schaft­li­chen Li­te­ra­tur wird teil­wei­se von einer "be­vor­ste­hen­den Krise des öf­fent­li­chen Per­so­nal­ma­nage­ments" ge­spro­chen; viele Stu­di­en ver­su­chen mög­li­che Fak­to­ren zu iden­ti­fi­zie­ren, die vor allem öf­fent­li­che Ar­beit­ge­ber bei der Per­so­nal­ge­win­nung nut­zen kön­nen.

Der Lehrstuhl für Public Management & Public Policy von Prof. Dr. Ulf Papenfuß führt ab 1. September 2018 ein Forschungsprojekt mit dem Titel durch „Steigerung der Arbeitgeberattraktivität kommunaler Unternehmen: Feldexperiment zu Erfolgsfaktoren bei der digitalen Personalgewinnung von Nachwuchsführungskräften“ (StArk-Forschungsprojekt). Dieses Forschungsprojekt wird vom Verband kommunaler Unternehmen, Landesgruppe Baden-Württemberg, und bereits elf weiteren kommunalen Unternehmen unterstützt. Es sind aber noch einige wenige Förderplätze frei.

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen können neben anderen „typischen Aspekten“ beispielsweise Faktoren wie „Arbeiten für das Gemeinwohl“ bzw. das sinnstiftende Element der „Arbeit für die öffentliche Daseinsvorsorge“ im spezifischen Kontext kommunaler Unternehmen besondere Erfolgsfaktoren für die Personalgewinnung sein. Bisher nicht untersucht ist allerdings, ob dies in der Kommunikation bezüglich der Gewinnung von neuen Nachwuchsführungskräften hinsichtlich Quantität und Qualität der Bewerbungen mehr oder weniger erfolgsversprechend ist als z.B. eine Betonung von anderen Faktoren wie „Arbeitsplatzsicherheit“ in kommunalen Unternehmen.

In dem Projekt wird eine Personalmarketing-Maßnahme für ein kommunales Unternehmen mit verschiedenen Ausgestaltungsformen im Rahmen eines sog. Feldexperiments auf einer Social Media Plattform durchgeführt. Feldexperiment ist dabei ein wissenschaftlich feststehender Begriff und hat nichts mit „Experimentieren“ im umgangssprachlichen Sinne zu tun. Eine exemplarische Ausgestaltung des Projekts könnte wie folgt aussehen: Es wird eine Personalmarketing-Maßnahme als Anzeige für eine reale Stelle eines kommunalen Unternehmens auf einer Social Media Plattform eingestellt. Mit wissenschaftlichen Methoden wird gemessen, welche der Faktoren aus den einschlägigen Arbeitgeberattraktivitäts-diskussionen hinsichtlich Quantität und Qualität der Bewerbungen mehr bzw. weniger erfolgsversprechend sind. So können durch wissenschaftlich fundierte Zusammenhangsanalysen klar praxisorientierte, relevante Erkenntnisse für die zukünftige Gestaltung von Personalgewinnungsmaßnahmen identifiziert werden. Daneben können über die digitale Personalgewinnung gezielt Bewerbungen aus der Region bzw. aus dem überregionalen Kontext adressiert werden.

Das StArk-Forschungsprojekt bietet für die fördernden Unternehmen große Potenziale mit exklusiven Ergebnissen, wie die Arbeitgeberattraktivität gesteigert werden kann. Durch den gemeinschaftlichen Ansatz mit mehreren fördernden, kommunalen Unternehmen werden die Kosten für die Teilnahme an diesem innovativen Projekt für einzelne Unternehmen sehr gering, z.B. im Vergleich zu Kosten Stellenanzeigen oder Personalmarketingmaßnahmen. Zudem profitieren alle fördernden Unternehmen davon, dass mit mehreren Feldexperimentphasen deutlich mehr relevante Erkenntnisse für das jeweilige Unternehmen in der gleichen Zeit generiert werden können. Durch die Zusammenarbeit im Rahmen des StArk-Forschungsprojekts können fördernde Unternehmen, sofern gewünscht, als innovative und zukunftsorientierte kommunale Unternehmen bekannt werden. Mit dem StArk-Forschungsprojekt könnten teilnehmende kommunale Unternehmen zeigen, dass sie besonders attraktive, relevante und verantwortungsvolle Arbeitgeber mit wichtigen und sinnstiftenden öffentlichen Aufgaben für die Städte und die Region sind.“

 

Florian Keppeler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Public Management & Public Policy von Prof. Dr. Ulf Papenfuß an der Zeppelin Universität Friedrichshafen

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Bildnachweis: ZU/Anja Köhler

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