7 Fragen in 7 Minuten #12 – Birk Alwes

Birk Alwes, Head of Human Resources, Hammerer Aluminium Industries Holding GmbH

Neue Perspektiven zum Lernen am Shopfloor, die Macht der KI und eine klare Position zur Blue vs. White Collar-Debatte – all das und mehr erwartet euch in unserem neuesten Interview mit Birk Alwes. Mehr zu diesen Themen erfahrt ihr auch auf unserem DGFP // Kompetenzforum HR für gewerblich-technische Berufe.

Gibt es für dich ein Unwort im Shopfloor-Bereich?

Birk Alwes: KI – das mag überraschen, aber für mein Empfinden wird mit diesem Schlagwort zu viel Hype betrieben. Angesichts von Systemen wie ChatGPT liegt zwar die Versuchung nahe, von KI zu sprechen. Letztlich handelt es sich jedoch um maschinelles Lernen, weswegen man den Einsatz der Technologie zurzeit nicht überbewerten sollte

Blue vs. White Collar ist geradezu ein Topos der Medien – wie empfindest du persönlich diese Konfliktlinie?

Birk Alwes: Meiner Meinung nach wird den White Collar zu viel Aufmerksamkeit geschenkt: 4 Tage-Woche, Workation und alle anderen Formen des New Work lassen schnell in Vergessenheit geraten, dass es eine kritische Infrastruktur gibt, in der die Modelle nicht greifen – man denke nur an den Pflegenotstand. Die Gebundenheit an den Arbeitsplatz oder eine Arbeitsumgebung wie beispielsweise bei Polizisten bedeutet aus meiner Sicht jedoch nicht, dass man resignieren muss – im Gegenteil: Denn auch wenn Maschinen rund um die Uhr laufen müssen, sind flexible Arbeitszeitmodelle denkbar, die schon einen Mehrwert bringen.

Die Transformation der Arbeitswelt wird von vielen Unternehmen auch als Chance für neue Arbeitsplätze gesehen. Welche Ängste von Mitarbeitenden begegnen dir bei deiner Arbeit und wie begegnest du ihnen?

Birk Alwes: Vielen fehlt es an Vorstellungskraft, wie sich das Arbeitsleben verändern wird. Und da sind wir zunächst bei den Chancen: Repetitive Arbeiten werden in Zukunft automatisiert durchgeführt, was die Attraktivität vieler Arbeitsplätze erhöht. Hier setzen allerdings auch die angesprochenen Ängste ein, weil sich Mitarbeitende oft nicht vorstellen können, dass sie die dafür notwendigen Maschinen und Roboter bedienen werden. Deswegen muss man diese Mitarbeitenden möglichst früh auf die Reise mitnehmen und in alle Entwicklungen einbeziehen, damit sie frühzeitig in ihre neue Rolle wachsen können.

Wie bewertest du die Initiative Allianz der Chancen?

Birk Alwes: Überlegungen und Initiativen wie man Transformationen auch über den Tellerrand des eigenen Unternehmens hinaus koordinieren kann, sehe ich als große Chance. Im Kleinen haben wir das auch selbst schon ausprobiert. Aufgrund der Wirtschaftslage hatten wir bei einem vorherigen Arbeitgeber einen Überschuss an Mitarbeitenden, während in anderen Branchen personelle Engpässe bestanden. Daraufhin haben wir unsere Mitarbeitenden „verliehen“, was eine win-win-Situation für alle Beteiligten war. Die Mitarbeitenden rechnen es einem übrigens hoch an, wenn sie außerhalb des Unternehmens Erfahrungen sammeln können und: sie freuen sich auch, wieder zurückzukehren (lacht). In Zukunft werden solche Modelle sowie Überlegungen zu neuen Formen des Arbeitens immer wichtiger, davon bin ich überzeugt.

Wenn du eine Zeitmaschine hättest, welche technologische Innovation würdest du von der Zukunft in unsere Gegenwart bringen, um das Lernen am Shopfloor zu verbessern?

Birk Alwes: Alle Entwicklungen rund um Digital Twin und Avatare sind für uns sehr spannend. Denn diese Technologien ermöglichen gerade bei ungelernten Arbeitskräften einen schnellen Wissenszuwachs. In diesem Zusammenhang hoffen wir schon sehr lange auf weitere Fortschritte in diesem Bereich und sind von dem Tempo der momentanen Entwicklung etwas enttäuscht. Für uns dauert das einfach zu lange, weshalb wir inzwischen eigene Wege gehen.

Bitte vervollständige den folgenden Satz: Ich weiß, dass meine Ideen und Ansätze fruchten, wenn…

Birk Alwes: …die Mitarbeitenden im Shopfloor merken, dass wir ihnen alle notwendigen Informationen vermittelt haben und sie die Lerninhalte anwenden können, um ihre Herausforderungen zu meistern.

Was weiß sonst niemand über dich?

Birk Alwes: …dass ich ein begeisterter Triathlet bin und bereits fünfmal die Langdistanz des Ironman absolviert habe (3,8 KM schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein Marathon). Der Sport trägt ungemein dazu bei, dass ich im beruflichen Alltag ausdauernd bin und meine Ziele erreichen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. Elias Güthlein.

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