Veränderungen provozieren!

(Keine) Nachhaltigkeit ohne Transformation

Steigende Umweltrisiken rücken zunehmend den Nachhaltigkeitsanspruch von Wirtschaft in den Fokus. Zudem wirft der gesellschaftliche Wertewandel soziale und Führungsfragen auf. Viele Unternehmen halten sich deshalb an die ESG-Kriterien – und stellen fest: Ohne interne Veränderungsprozesse funktioniert die Umsetzung nicht.

Das Problem

Die ESG-Kriterien für Unternehmen wurden erstmalig 2004 von der Global Compact Initiative der Vereinten Nationen  im UN-Arbeitspapier „Who cares wins“ (The Global Compact 2004) zusammengefasst. Neben den wirtschaftlichen Anlagezielen Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit sollten nun auch nachhaltige Kriterien aus den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) berücksichtigt werden. Bis heute scheitert die „Sustainability Transformation“ aber in vielen Unternehmen daran, dass es entweder keine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie gibt und zentrale Geschäftsmodelle gar nicht erst nachhaltig gestaltet werden. Oder aber daran, dass es selbst für Unternehmen mit einer Nachhaltigkeitsstrategie häufig problematisch ist, diese in die Praxis umzusetzen

Die Wissenschaft

Studien zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften im Sinne der ESG-Kriterien zu Unternehmenswertsteigerungen führen kann (de Souza Barbosa et al. 2023). Dafür müssen interne Veränderungen allerdings provoziert, initiiert und gefördert werden. Folgende Transformationsanforderungen sind dabei zu beachten:

  • Umweltauswirkungen: Unternehmen müssen ökologisch nachhaltiger handeln, um Umweltbelastungen zu verringern. Damit verbunden sind Investitionen in saubere Technologien, in den Übergang zu erneuerbaren Energien und in die Reduzierung des CO2-Ausstoßes.
  • Soziales: Das Fördern von sozialer Verantwortung erfordert Veränderungen in den Geschäftspraktiken, um sicherzustellen, dass Arbeitskräfte fair behandelt werden, Chancengleichheit unterstützt wird und menschenwürdige Arbeitsbedingungen geschaffen werden.
  • Unternehmensführung: Nachhaltigkeit darf und kann kein Strohfeuer sein. Gute und langfristig orientierte Unternehmensführung ist notwendig, um Nachhaltigkeit auf allen Ebenen im Unternehmen zu erreichen. Dazu gehören das Sicherstellen einer hohen Transparenz, die Orientierung an ethischen Standards und klare Verantwortlichkeiten.

Die Praxis

Hinsichtlich der ESG-Kriterien zeichnet sich ein zentraler Handlungsfokus vor allem beim Thema Führung ab. Auch wenn die ESG-Vorgaben unter „guter Unternehmensführung“ relativ vage bleiben, lässt sich hier ein großer Hebel bewegen. Umgekehrt kann „schlechte Unternehmensführung“ eine der größten Hürden für die effektive Umsetzung von ESG darstellen (PwC 2021).

So werden etwa die Mitarbeitenden viel zu selten in die strategischen Prozesse eingebunden. Aber verfügen die Mitarbeitenden über das nötige Wissen und die Kompetenzen in Bezug auf Nachhaltigkeit? Ist ihnen bekannt, welche (messbaren) Ziele sich die Organisation gesetzt hat, wo sie damit steht und was die Mitarbeitenden dazu beitragen können? Denn Mitarbeitende, die sich mit ihrer Organisation identifizieren, sind meist auch interessiert daran, die deren Zukunft mitzugestalten.

Die Führung sollte insofern eine nachvollziehbare, positive Vision des nachhaltigen Geschäftsmodells und der damit verbundenen Veränderungen kommunizieren sowie messbare Ziele präsentieren, deren Fortschritt kontinuierlich für die Mitarbeitenden einzusehen ist. Eine transparente Kommunikation, Partizipation und Vertrauen als Grundlage des Führungsverständnisses, binden Mitarbeitende langfristig und motivieren für Veränderungen. Letztlich lässt sich die Organisationsveränderung am erfolgreichsten durchführen, wenn alle ein gemeinsames Ziel verfolgen, davon überzeugt sind und bei dessen Zielerreichung alle Mitarbeitenden einen persönlichen Beitrag leisten können. Und welches Ziel eignet sich da besser als der Erhalt unserer Erde?


Literatur

de Souza Barbosa, A. et al. (2023): Integration of Environmental, Social, and Governance (ESG) criteria: their impacts on corporate sustainability performance, in: Humanities and Social Science Communities, 10 (410); doi.org/10.1057/s41599-023-01919-0

PwC (2021): Beyond compliance: Consumers and employees want business to do more on ESG, Consumer Intelligence Series survey on ESG; consumer-and-employee-esg-expectations

The Global Compact (2004): Who cares wins. Connecting financial markets to a changing world; www.unepfi.org/fileadmin/events/2004/stocks/who_cares_wins_global_compact_2004.pdf

Der Fachartikel erschien zuerst in unserem Fachmagazin PERSONALFÜHRUNG 12/2023 - 01/2024

Autor: Matthias Larose, Partner der Transformationsberatung HRpepper, Berlin

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