Positive Leistungskultur: Warum Leistung ein neues Narrativ braucht

Impulspapier des DGFP-Think Tanks - Arbeitsgruppe „Positive Leistungskultur“

Menschen wollen leisten und wirksam zum Gesamterfolg beitragen. Unternehmen haben Anspruch auf diese Leistungsbereitschaft. Eine positive Leistungskultur ist die Chance, gemeinsam zum Winning Team zu werden. Diese Annahmen trifft der DGFP-Think Tank "HRM der Zukunft" in seinem ersten Impulspapier zum Thema Positive Leistungskultur.

Leistung steht mehr denn je im Zentrum der öffentlichen Debatte. Steigende Krankenstände, die 4-Tage-Woche, Homeoffice und flexible Arbeitszeiten werden zunehmend als Beleg für einen sinkenden Leistungswillen interpretiert. Gleichzeitig wächst die Sorge um Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Standorts Deutschland. Der Ton der Diskussion ist schärfer geworden.

Dass wir diese Debatte führen, ist sinnvoll und notwendig. In den frühen 1990er Jahren lag der Anteil Deutschlands am globalen nominalen Bruttoinlandsprodukt zeitweise bei über acht Prozent. Heute liegt er bei rund 4 Prozent. Auch als Innovationsmotor gerät Deutschland zunehmend unter Druck, insbesondere im internationalen Vergleich und mit Blick auf die Dynamik asiatischer Märkte. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, die Wachstumsperspektiven sind verhalten.

Doch die aktuelle Diskussion greift zu kurz, denn sie spielt Leistung häufig gegen Menschenzentrierung aus. Als müssten Unternehmen sich entscheiden: Entweder für wirtschaftliche Erfolg ODER gute Arbeitsbedingungen. An diesem Punkt setzt das neue Impulspapier des DGFP-ThinkTanks an: Es widerspricht der Logik des Entweder-oder und formuliert ein klares Sowohl-als-auch.

Drei Leitthesen für eine positive Leistungskultur

Aus der Analyse der aktuellen Debatte, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und aus langjähriger HR-Praxis leitet der Think Tank drei Leitthesen ab, die Orientierung für Organisationen geben sollen.

Erstens: Leistung braucht Sichtbarkeit und Resonanz.
Menschen möchten erleben, dass ihr Beitrag wahrgenommen wird – nicht laut inszeniert, sondern ehrlich gespiegelt. In einer positiven Leistungskultur geht es um konkrete Anerkennung statt pauschales Lob, um Dialog statt Bewertung. Führungskräfte sprechen über Wirkung, nicht über Beschäftigung, und schaffen Räume, in denen auch leise Beiträge sichtbar werden.

Zweitens: Leistung zeigt sich durch Ergebnisse.
Leistungsbereitschaft entfaltet sich nur, wenn Ziele klar, sinnvoll und anschlussfähig sind. Ergebnisse werden nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang: Welche Wirkung haben sie für das Ganze? Fehler gelten als Lernchancen, Verantwortung liegt dort, wo Kompetenz ist, und Prozesse dienen der Leistung – nicht umgekehrt. Führung gibt Orientierung, ohne in Kontrolle zu verfallen.

Drittens: Leistung braucht gemeinsame Erfolge.
Erfolg entsteht selten allein. Eine positive Leistungskultur rückt das Zusammenspiel in den Mittelpunkt. Erfolge werden geteilt, nicht verteilt. Unterschiede werden genutzt, nicht nivelliert. Heldentum verliert an Bedeutung, Zusammenarbeit gewinnt. Anerkennung gilt dem „Wir“ – sichtbar in Ritualen, Geschichten und Führungssignalen.

“Das Think Tank-Papier basiert auf der Überzeugung, dass Menschen leisten wollen und wirksam zum Gesamterfolg beitragen möchten – und dass Unternehmen Anspruch auf diese Leistungsbereitschaft haben. Eine positive Leistungskultur wird dabei als Chance verstanden, Organisationen als „Winning Team“ erfolgreich zu machen.”

-Susanne Blüml

Haltung, System und Führung gehören zusammen

Ein zentrales Anliegen des Impulspapiers ist es, Leistung nicht auf individuelles Verhalten zu verkürzen. Positive Leistungskultur entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen oder isolierte HR-Instrumente, sondern durch das Zusammenspiel dreier Ebenen:

  • Die Organisation setzt den Rahmen – durch Zielbilder, Strukturen, Rituale und eine klare Erfolgslogik.
  • Teams prägen das tägliche Arbeitserleben – durch Transparenz, Reflexion, Zusammenarbeit und Energie.
  • Individuen bringen Haltung, Verantwortung und Selbstwirksamkeit ein.

Entscheidend ist die Interdependenz dieser Ebenen. Wer ausschließlich am Verhalten einzelner Mitarbeitender ansetzt, ohne Systeme und Führung mitzudenken, greift zu kurz. Gleichzeitig braucht kultureller Wandel Konsequenz – und Geduld. Maßstab ist immer der organisationsspezifische Reifegrad.

Leistung neu rahmen – als strategischer Hebel

Das Fazit des Think Tanks ist eindeutig: Eine positive Leistungskultur ist kein „Soft-Thema“. Sie ist ein strategischer Hebel für Wirksamkeit, Produktivität und Zukunftsfähigkeit. Sie verbindet Menschenorientierung mit Unternehmertum, Sinn mit Ergebnissen, Vertrauen mit Klarheit.

Wenn Leistung sichtbar gemacht wird, sich an Ergebnissen orientiert und Erfolge gemeinsam getragen werden, entsteht ein Klima, in dem Menschen leisten wollen – nicht weil sie müssen, sondern weil es Sinn ergibt, anerkannt wird und das System sie nicht ausbremst.

Genau darin liegt die Chance: Unternehmen in Deutschland als „Winning Team“ erfolgreich zu machen – auf Basis eines positiven Menschenbildes und klarer, konsequenter Führung.

“Wir wollen dazu beitragen, Leistungsorientierung (wieder) grundsätzlich positiv zu rahmen, betonen aber ebenso, dass sie organisatorische Rahmensetzungen braucht, die Interessen und Machtpositionen auf beiden Seiten berücksichtigen.”

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Das Impulspapier wurde erarbeitet von der Think Tank-Teilgruppe „Positive Leistungskultur“:  Daniel Annen (Dräger Werke), Karin Glattes, (Organisationsberatung & Change), Nicole Herrfurth (Nicole Herrfurth Advisory), Dr. Josephine Hofmann (Fraunhofer IAO) und Ralf Stolze (Munich Airport). 

Pressemitteilung Positive Leistungskultur: DGFP veröffentlicht erstes Impulspapier aus dem Think Tank